Wirtschaft : Der Euro wird die Stückaktie bringen

PETER HEIN

Für den Aktionär ändert sich aber dadurch nichtsVON PETER HEINDer Euro naht, und mit ihm kommen auf Sparer und Verbraucher etliche Änderungen zu.Eine davon ist, daß der Nennwert von Aktien und festverzinslichen Wertpapieren auf die neue Währung umgestellt werden muß.Anders als bei einem Rentenpapier ist der Nenn- oder Nominalwert einer Aktie allerdings eine rein buchhalterische Größe.Sie ergibt sich aus der Tatsache, daß das Grundkapital deutscher Aktiengesellschaften in 5, 50 oder 100-DM-Einheiten eingeteilt ist.Über jede Einheit wird eine Aktienurkunde ausgestellt, auf der der entsprechende Geldbetrag aufgedruckt wird.Die Aktienurkunde verbrieft damit ein anteiliges Eigentum am Unternehmen.Wie hoch dieser Anteil ist, hängt davon ab, wie hoch das gesamte Grundkapital ist.Beträgt es zum Beispiel eine Mill.DM, dann ist ein Aktionär, der eine 50-DM-Aktie kauft, mit einem Zwanzigtausenstel am jeweiligen Unternehmen beteiligt.Das ist deshalb von Bedeutung, weil sich nach diesem Verhältnis zum Beispiel sein Anspruch am Unternehmensgewinn in Form der Dividende bemißt.Mit dem Kurswert einer Aktie hat der Nennwert allerdings nichts zu tun.In der Regel liegt der Preis an der Börse deutlich über dem Nennwert, weil das Unternehmen neben dem Grundkapital auch noch Rücklagen und stille Reserven zum Beispiel in Form von unterbewerteten Grundstücken oder Immobilien besitzt.Vor allem aber orientiert sich der Börsenkurs an der Marktstellung des jeweiligen Unternehmens und dessen zukünftigen Gewinnperspektiven.Rutscht die Notierung unter den Nennwert ab, ist dies oft ein Zeichen dafür, daß es mit den Geschäften nicht mehr zum besten steht.In jüngster Zeit denken viele Unternehmen über die Einführung von nennwertlosen Stückaktien nach.Dadurch sollen Schwierigkeiten bei der Einführung des Euro vermieden werden.Bei Stückaktien wird das Grundkapital nicht in Geldbeträge eingeteilt, auf die dann Aktien ausgestellt werden, sondern es wird per Unternehmenssatzung von vornherein eine bestimmte Zahl von ausgegebenen Aktien festgelegt.Um zum Anfangsbeispiel zurückzukommen: Statt durch 20 000 Aktien à 50 DM Nennbetrag wird das Grundkapital von 1 Mill.DM in der Unternehmenssatzung direkt durch 20 000 ausgegebene Aktien definiert.Für den Aktionär mit seiner einen Aktie ändert sich dadurch vermögensrechtlich nichts.Sein Anteil ist genauso hoch wie bei der Nennwertaktie.Der Verfahrensvorteil bei der Umstellung auf den Euro ist allerdings enorm.Es muß lediglich das Grundkapital von D-Mark auf Euro verändert werden.Eine Änderung auf der Urkunde ist nicht notwendig.Daß das Grundkapital von da an in einer anderen Werteinheit ausgedrückt wird, ist lediglich für den Aktienkurs von Bedeutung.Im 3.Finanzmarktförderungsgesetz wurde die Stückaktie am Freitag vom Bundesrat genehmigt.Jetzt müssen nur noch die Aktionäre auf der Hauptversammlung zustimmen.

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