Wirtschaft : Der Euro wird immer stärker

Die Gemeinschaftswährung legt gegenüber dem Dollar zu – dem deutschen Export schadet das vorerst nicht

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Berlin (hop/fw). Der Euro wird immer wertvoller. Auf den Höhenflug der vergangenen Woche folgte am Montag kein Rückschlag. Die Europäische Zentralbank setzte am frühen Nachmittag den Referenzkurs (siehe Lexikon) bei 1,0212 USDollar fest. Damit war der Euro kaum billiger als am Freitag, als der Euro mit zwischenzeitlich 1,0257 Dollar auf ein Drei-Jahres-Hoch gegenüber der US-Währung gestiegen war. Die Wirtschaft befürchtet, dass ein langfristiger Kursanstieg die Exporte verteuert. Volkswirte rechnen jedoch erst ab einem Niveau von mehr als 1,05 Dollar mit negativen Auswirkungen für die Unternehmen.

Vor einem Jahr gaben die Banken zum ersten Mal Euro-Münzen aus. Bereits seit dem 1. Januar 1999 gab es die Gemeinschaftswährung als Buchgeld. Das bedeutete, dass zum Beispiel an den Börsen Aktien in Euro gehandelt wurden. In die Geschäfte kam das Geld erst am 1. Januar 2002. An die Einführung des Euro waren große Hoffnungen geknüpft. Vor allem die Skepsis bei Verbrauchern und Anlegern sollte verschwinden, sobald sie die Währung in Händen hielten und damit tatsächlich bezahlen konnten. Doch rutschte der Euro bis Mitte 2002 auf seinen historischen Tiefststand bei 0,8585 Dollar. Seitdem ist der Kurs wieder kontinuierlich gestiegen.

Der Grund für den starken Euro ist der schwache Dollar, weniger die Hoffnung darauf, dass sich die Wirtschaft im Euroraum schnell erholen könnte. „Es ist daher besser, von einer Dollar-Abwertung zu reden“, sagte Ulrich Ramm, Chefvolkswirt der Commerzbank. Unter anderem drücke der mögliche Krieg der USA mit dem Irak auf den Dollarkurs, da die möglichen Auswirkungen noch nicht sicher seien. Die Anleger seien weiter skeptisch gegenüber der Solidität amerikanischer Bilanzen. Die Millardenpleite des Energiehändlers Enron wirke immer noch nach – trotz aller Gesetze der US-Regierung, um solche Fälle zu verhindern. Außerdem „bereitet das ausufernde Leistungsbilanzdefizit der USA der Welt Sorgen“, sagte Ramm. In diesem Jahr würden die USA voraussichtlich für 480 Milliarden Dollar mehr Waren und Dienstleistungen einkaufen als sie exportieren. 2003 könnte die Lücke auf 550 Milliarden Dollar wachsen.

Michael Hüther, Chefvolkswirt der DGZ Deka Bank, sieht als wesentlichen Grund für den aktuellen Anstieg auch Spekulationen darüber, dass die USA mit dem neuen Finanzminister John Snow eine Politik des weichen Dollars verfolgen werde. Doch sei das wenig wahrscheinlich, weil eine kontrollierte Abwertung nur schief gehen könnte. Die Inflationsgefahr in den USA würde steigen und ausländische Anleger würden verunsichert ihr Kapital abziehen und so den Dollarkurs noch stärker unter Druck setzen.

Die Wirtschaft sieht den starken Euro als potenzielle Gefahr. „Wenn der Euro langfristig seinen Kurs nach oben fortsetzen sollte, könnte das viele Unternehmen stark belasten“, sagt Reinhard Kudiß, Konjunkturexperte beim Bundesverband der deutschen Industrie (BDI). Denn der starke Euro verteure die Exporte. Und davon sei die deutsche Wirtschaft momentan besonders abhängig, da die Binnennachfrage zurzeit nicht so stabil sei wie sonst. Noch könnten die Unternehmen sich ihre Marktanteile durch Preisnachlässe sichern, sagt Kudiß. Bleibe der Euro jedoch langfristig stark, würde das entweder die Erträge der Firmen mindern – oder sie Aufträge kosten. Besonders betroffen seien der Maschinenbau und die Elektro-Branche. Allerdings räumt auch Kudiß ein, dass der Euro schon langfristig zwischen 1,05 und 1,10 Dollar kosten muss, damit die deutsche Wirtschaft Schäden davon trägt. Ab diesem Niveau sieht auch Hüther von DGZ Deka Bank erst Gefahren für die Wirtschaft. Die Kursbewegungen zurzeit seien aber in gewissem Sinne lediglich „im Millimeterbereich“. Seit vergangenem Sommer liege der Euro zwischen 0,98 und einem US-Dollar. „Niemand kann mir erzählen, dass jetzt durch den Anstieg die Wirtschaflichkeit unserer Exporteure in Gefahr ist.“

Hüther hält im kommenden Jahr einen Anstieg des Euro auf 1,05 Dollar und mehr für möglich. Ramm von der Commerzbank, sagte ebenfalls: „Wir erwarten bis Ende 2003 einen Kurs von 1,05 Dollar.“

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