Wirtschaft : Der Europäischen Zentralbank fehlt das politische Gegenüber

Der Direktor der Europäischen Zentralbank (EZB), Tommaso Padoa-Schioppa, hat den Ausbau der Europäischen Union (EU) zu einer politischen Union gefordert. Der EZB fehle "eine europäische Regierung, ein Gegenüber", sagte der Italiener in einem Gespräch mit der Wochenzeitung "Die Zeit". "Die Stärke des Euro hängt auch von der politischen Konstruktion ab, die hinter ihr steht."

Padoa-Schioppa wertete das erste Jahr der Währungsunion als Erfolg: "All das, was in dieser Entwicklungsphase der Währungsunion klappen musste, ist gelungen." Der Euro sei nicht zu früh gekommen. "Denn ohne die Währungsunion, ohne stabile Wechselkurse wäre uns längst der Europäische Binnenmarkt auseinander gebrochen."

Der schwache Euro-Kurs zum US-Dollar habe "wenig mit dem Euro selbst zu tun - das wäre der Mark, dem Franc oder der Lira genauso ergangen", sagte er. Wichtig sei die innere Preisstabilität. Der Euro sei aber "unsichtbar": Die Deutschen würden die Preisstabilität weiter der D-Mark zugute halten. "Mit dieser verzerrten Sicht müssen wir leben, bis es den Euro als Münze gibt", sagte Padoa-Schioppa. "Am Wechselkurs lässt sich der Erfolg einer Währung nicht messen." Der Euro werde bald wegen seiner inneren Stabilität zum Dollar steigen. Gleichwohl verlangte Padoa-Schioppa Strukturreformen in Deutschland und Italien.

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