• Der Ex-Monopolist begibt sich auf Einkaufstour in Osteuropa. Unterdessen kritisieren Aktionäre Mannesmann - wird der Konzern selbst geschluckt?

Wirtschaft : Der Ex-Monopolist begibt sich auf Einkaufstour in Osteuropa. Unterdessen kritisieren Aktionäre Mannesmann - wird der Konzern selbst geschluckt?

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Die Welle von Fusionen und Übernahmen auf dem Telekommunikationsmarkt reißt nicht ab. Am Freitag gab die Deutsche Telekom bekannt, dass sie die Mobilfunkbeteiligungen des amerikanischen Telekommunikationsunternehmens MediaOne International in Polen, Ungarn und Russland für zwei Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Mark) übernimmt. Unterdessen übten Aktionärsvertreter Kritik an dem ihrer Ansicht zu hohen Preis, den Mannesmann für die Übernahme von Orange zu zahlen bereit ist.

Die Telekom stärkt mit der Übernahme ihr Mobilfunkgeschäft in Osteuropa. Telekom-Vorstandschef Ron Sommer nannte den Kauf von MediaOne einen "logischen Schritt zur Ausdehnung der Präsenz" der Telekom in Europa. Damit komme das Unternehmen dem Ziel, ein pan-europäisches Mobilfunkgeschäft aufzubauen, einen Schritt näher.

Von der MediaOne International übernimmt die Deutsche Telekom unter anderem 22,5 Prozent an der Polska Telefonia Cyfrowa Sp.zo.o. (PTC) sowie jeweils 49 Prozent an den ungarischen Mobilfunkfirmen Westel Radiotelefon (analog) und Westel 900 (digital). Bei der PTC erhöhte die Telekom damit ihre Beteiligung auf 45 Prozent. Außerdem erwarb der Konzern eine Kontrollmehrheit an der russischen RTDC, die Beteiligungen an neun regionalen Telekom-Firmen hält. Branchenkenner erwarten nun ein Kaufinteresse der Telekom vor allem auf dem französischen Mobilfunk-Markt, zumal sich France Télécom gerade die Mehrheit an E-Plus sicherte.

Unterdessen drückt das 60-Milliarden-Mark-Angebot von Mannesmann für Orange nicht nur den Aktienkurs des deutschen Unternehmens immer weiter nach unten, auch die Kritik wird immer lauter. Aktionärsvertreter sehen die geplante Orange-Übernahme kritisch. "Strategisch ist Orange zwar die richtige Entscheidung, aber der Preis ist unserer Meinung nach viel zu hoch", sagte Leonhard Knoll, Sprecher der Vereinigung Aktionärsdemokratie, gegenüber dem Tagesspiegel. Mit dem Einstieg von France Télécom bei E-Plus sei zudem ein harter Preiskampf auf dem deutschen Markt zu befürchten, so Knoll. "Da ist doch die Frage, ob das Geld für Mannesmann wieder reinkommt." Auch Anneliese Hieke von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre ist skeptisch. "Bei solch einer großen Investition muß der Vorstand eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen", forderte Hieke. Sie befürchtet, dass der hohe Kaufpreis Kurs und Rendite der Mannesmann-Aktie langfristig drücken wird. "Wir hätten einen Partner auf dem amerikanischen Markt lieber gesehen", meinte Hieke.

Und Mannesmann gilt inzwischen sogar als Übernahmekandidat. Vodafone, der größte britische Mobilfunkanbieter, erwägt nach Informationen der "Times" ein feindliches Übernahmeangebot für Mannesmann. Wenn die Mannesmann-Aktien weiter fallen sollten, sei Vodafone bereit, 40 Milliarden Pfund (120 Milliarden Mark) für das deutsche Unternehmen zu bieten.

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