Wirtschaft : Der Export erweist sich als die treibende Kraft

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau konnte im November bei der ausländischen Kundschaft einen Auftragssprung verbuchen. Im Vergleich zum Vorjahr zogen sie um 21 Prozent an. Dagegen wurden im Inland neun Prozent weniger Bestellungen erzielt als vor Jahresfrist. Dies berichtete der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Donnerstag in Frankfurt.

Nach Darstellung des Branchenverbandes sind beide Veränderungsraten allerdings statistisch überzeichnet. Dies hänge mit den jeweiligen Vorjahreswerten zusammen, die im Inland relativ gut und im Ausland recht niedrig ausgefallen waren. Der von kurzfristigen Schwankungen weniger beeinflusste Drei-Monats-Zeitraum September bis November 1999 zeige dagegen ein realistischeres Bild. In diesem Zeitraum kamen per saldo drei Prozent mehr Aufträge herein als 1998. Dabei standen einem Rückgang der inländischen Bestellungen eine Zunahme der Auslandsaufträge um elf Prozent gegenüber.

Im neuen Jahr dürfte der deutsche Maschinen- und Anlagenbau in erster Linie vom Export angetrieben werden. Auf Grund der deutlichen Zunahme ausländischer Aufträge traut sich Deutschlands Schlüsselbranche ein reales Wachstum von drei Prozent zu. Das Flautejahr 1999 wird dagegen mit einem Minus von einem Prozent abschließen, bilanziert der Verband.

Der VDMA ist optimistisch, dass die bevorstehende günstige Export-Konjunktur für mehrere deutsche Industriebranchen endlich auch das Inlandsgeschäft des Maschinenbaus mitreißt. Dafür gebe es bereits gute Anzeichen. Selbst die Krisen geschüttelte Bauindustrie bestelle wieder. Von September bis November orderte die Bauwirtschaft 26 Prozent mehr als vor Jahresfrist.

Dieser überraschende Trend hat jedoch wenig mit der wirtschaftlichen Lage am Bau zu tun, die vor allem in Ostdeutschland ungebrochen düster ist. Vielmehr spielt die technische Lebensdauer von Baumaschinen eine Rolle, da vor zehn Jahren beim Einheitsboom extrem viele neue Maschinen gekauft wurden.

Durchweg positiv entwickeln sich dem Angaben zufolge die wichtigsten Auslandsmärkte. In Asien, mit Einbrüchen von bis zu 70 Prozent im Vorjahr, sei ein deutlicher Umschwung zum Positiven erkennbar. Selbst mit Russland, das nun von den hohen Öl- und Rohstoffpreisen profitiert, könne man wieder rechnen. Auch Westeuropa, das etwa die Hälfte der gesamten Maschinenausfuhren aufnimmt, sei im Kommen. Der große Unsicherheitsfaktor ist für die Branche Nordamerika. Während 1998 und im ersten Halbjahr 1999 nur die USA gut liefen, zeichneten sich dort erste Ermüdungserscheinungen ab. Falls die US-Konjunktur nur langsam auslaufe und der "Rest der Welt" als Abnehmer gleichzeitig aufhole, könne der Übergang aber ohne Erschütterungen gemeistert werden. Die USA sind mit Abstand wichtigster Abnehmer deutscher Maschinen. Dabei wird das Geschäft bislang noch vom schwachen Euro/Dollar-Verhältnis unterstützt.

Für den Aufbau der Beschäftigung werde das 2000 erwartete Drei-Prozent-Wachstum allerdings nicht ausreichen, hieß es.

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