Der Fernbus-Markt wächst ungebremst : Sogar nach Olsberg und Oberammergau

Der Markt für Fernbus-Linien zieht immer neue Anbieter an. Berlin ist eine der wichtigsten Drehscheiben im Land. Rentner und Studenten sind die Hauptkunden - doch sie müssen Geduld mitbringen.

Markus Fasse
Ein grüner Bus des Betreibers MeinFernbus hält am Lustgarten in Berlin.
Die Alternative. Wem die Bahn zu teuer ist, kann auf Fernbusse ausweichen. Der Preiskampf in der Branche ist gnadenlos.Foto: dpa

Noch vor gut einem Jahr hatte Panya Putsathit Grund zur Klage. „Die Bahn versucht, uns mit allen Mitteln aus dem Geschäft zu halten“, sagte der Gründer des Berliner Start-ups „Mein Fernbus“. Im Sommer 2012, stellte das Unternehmen in München sein erstes Angebot vor. Nach monatelangem Kampf genehmigten die Behörden den regelmäßigen Linienverkehr zwischen München und Freiburg. Ein halbes Dutzend giftgrüner Busse machte sich auf den Weg.

Seitdem hat sich einiges getan. Im Januar wurde das seit den dreißiger Jahren gültige faktische Beförderungsmonopol der Bahn endgültig abgeschafft. Damit darf jeder Busunternehmer Liniendienste anbieten. Mittlerweile buhlt ein gutes Dutzend von Anbietern um einen Markt, dessen Größe niemand kennt.

Wie rasant der Markt wächst, zeigt die Entwicklung des Start-ups „Mein Fernbus“

Neben Newcomern wie „Mein Fernbus“ weitet auch die Deutsche Bahn ihr Angebot mit dem IC-Bus aus. Seit Oktober schicken nun die Post und der ADAC den Postbus auf die Strecke. „Wir erleben mit rasanter Geschwindigkeit einen Marktaufbau“, sagt Christoph Gipp, Verkehrsexperte des Berliner Iges-Instituts.

Wie rasant der Markt wächst, zeigt die Entwicklung des Start-ups „Mein Fernbus“. In nicht einmal zwölf Monaten sind aus einem Dutzend Busse 145 geworden. Hatten die Berliner bis Juli insgesamt eine Million Fahrgäste befördert, so waren es drei Monate später schon zwei Millionen. „Wir wollen ein dichtes Netz aufbauen und auch Orte wie Olsberg und Oberammergau nicht vergessen“, verspricht Unternehmensgründer Putsathit.

Gemeinsam mit dem ehemaligen Bahnmanager Torben Greve hat er die Attacke auf dem Fernbusmarkt akribisch geplant. Schon vor der Liberalisierung des Marktes sammelte das Duo Startkapital von Business-Angels. Das Konzept entwickelten sie aus Erfahrungen in England und den USA, wo Fernbusse feste Größen des Fernverkehrsmarktes sind. Herausgekommen ist ein schlankes Unternehmen, in dessen Berliner Zentrale sich 140 Mitarbeiter vor allem um Marketing, IT und Routenplanung kümmern. Den eigentlichen Liniendienst übernehmen 47 selbstständige Busunternehmer, die Busse und mehrere Hundert Fahrer nach vorgegebenen Standards stellen. Dazu gehört neben dem einheitlichen Markenauftritt auch die kostenlose Nutzung von WLAN.

Vielen Kunden sind Bahn und Autofahrt zu teuer geworden

Das scheint vor allem bei jenen Kunden anzukommen, denen die Bahn oder die Autofahrt zu teuer geworden ist: Rentner und Studenten. „Viele kommen von den Mitfahrzentralen, viele wären ohne die neuen Angebote aber auch gar nicht gereist“, sagt Verkehrsexperte Gipp. Damit hätte die Regierung ihr Ziel erreicht, Fernreisen auch sozial schwächeren Bevölkerungsgruppen zu ermöglichen – ohne dem Staatsbetrieb Bahn zu sehr zu schaden. Denn Geschäftsreisende und Berufspendler nutzen die neuen Busverbindungen selten: Sie stellen jeweils sieben Prozent der Gäste bei „Mein Fernbus“.

Dennoch ist der Markt attraktiv. Vor allem zwischen den großen Städten sind mittlerweile bis zu sechs Anbieter parallel unterwegs. Nicht zufällig hat die Post ihren Postbus auf die wichtigsten Routen von „Mein Fernbus“ angesetzt. „Wir werten das mal als Kompliment für unsere Streckenauswahl“, sagt Putsathit. Bislang scheint das für alle aufzugehen. „Noch wächst der Markt“, sagt Verkehrsexperte Gipp. „Aber wenn es zur Marktsättigung kommt, dann wird eine Konzentration einsetzen.“

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