Wirtschaft : Der Fernsehsender eröffnet sein neues Medienzentrum in Berlin auf historischem Boden

Lars von Törne

"Diese alten Gebäude passen genau zum Programm von Sat 1", scherzte ein Journalist beim Rundgang durch das neue Medienzentrum des Senders in Berlin-Mitte: "Sie haben alle ein sehr unterschiedliches Niveau." Abgesehen davon wird man beim flüchtigen Blick auf die historische Häuserzeile in der Jägerstraße allerdings kaum auf die Idee kommen, dass hier seit kurzem Sat 1 - mit demnächst knapp 1000 Beschäftigten größter Fernsehsender in der Stadt - seinen Sitz hat. Keine schrille Leuchtreklame, keine großen Werbeschilder weisen daraufhin, was sich hinter den frisch renovierten Altbaufassaden verbirgt - dem Denkmalschutz sei Dank. Am 30. August soll die SAT 1-Zentrale feierlich eröffnet werden. Mit prominenten Gästen sowie einem Konzert von Altrocker Marius-Müller Westernhagen auf dem Gendarmenmarkt, für das der Sender derzeit in der ganzen Stadt die Karten verlost.

Mit dem Bezug der neuen Räume an der Jägerstraße betritt Sat 1 Neuland, wie Geschäftsführer Jürgen Doetz am Montag bei einer Hausführung erklärte: "Seit dem Beginn vor 15 Jahren hatte der Sender immer mehrere Standorte, hier in Berlin werden wir jetzt erstmals eine räumliche Einheit bilden." Und Geschäftsführer Fred Kogel schreibt in der aktuellen Hauszeitschrift des Senders, es gebe für Sat 1 keine Alternative dazu, alle bisher über das Land verteilten Standorte hier zusammenzubringen, denn Berlin sei "die Medienstadt der Zukunft". Jürgen Doetz allerdings sagte, er glaube nicht, dass in absehbarer Zeit weitere Sender folgen würden, "denn nach Berlin muss man nicht unbedingt, entgegen der verbreiteten Ansicht der Berliner Politik".

Insgesamt zehn historische Gebäude hat der Sender von Grund auf renovieren und hinter den Fassaden zu einem großen Komplex verbinden lassen. Bei vielen blieb lediglich die alte Front stehen, dahinter entstanden Neubauten mit 33 000 Quadratmetern Fläche, mit modernen Studios, Büros und neuester Fernsehtechnik. "275 Millionen Mark haben wir hier verbaut", sagte Peter Grab, Sat 1-Geschäftsführer für Berliner Produktionen. Das nach Angaben des Senders modernste Medienzentrum Europas steht auf historischem Boden, wie Bauleiter Jörg-Rainer Utech beim Rundgang erklärte: "Die Deckensteine im Gewölbekeller unter dem Haus Jägerstraße 28 waren vor mehr als 200 Jahren die alte Jägerbrücke, darunter floss ein kleiner, stinkender Fluss entlang." Den Fluss gibt es schon lange nicht mehr, die Brücke wurde zum Fundament für ein Haus, und das Gewölbe wird jetzt bei Sat 1 zum Weinkeller, in dem in Zukunft besondere Gäste des Unternehmens bewirtet werden sollen. Auch mit der jüngeren Zeitgeschichte ist der Sat 1-Sitz eng verbunden. Der Haupteingang zum Medienzentrum führte zu DDR-Zeiten in die Studios der DEFA-Dokumentarfilm.

Eines der jetzt schon in Betrieb genommenen Herzstücke des Gebäudeensembles ist das "ran"-Studio, von dem aus seit Mitte August die gleichnamige Fußballshow gesendet wird. Der Raum erinnert an eine Arena, die bis 150 zu Zuschauer sitzen auf einem halbrunden Stahlgerüst. An der Decke hängen 115 hochmoderne Scheinwerfer, die vollautomatisch und elektronisch jedes gewünschte Licht erzeugen können. In zwei weiteren Studios beginnen die Sendungen in den kommenden Wochen: Am 20. September soll das Sat 1-Frühstücksfernsehen von hier aus senden, im Oktober die Nachrichtensendung 18:30, im November folgen weitere Boulevard- und Regionalprogramme. Nach und nach will der Sender alle anderen Produktions-Standorte aufgeben, auch die seit zehn Jahren genutzten Räume in der Budapester Straße im Bezirk Tiergarten. Im kommenden Sommer soll dann die zentrale Sendeabwicklung von Mainz nach Berlin-Mitte kommen und den Sat 1-Umzug beschließen.

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