• Der Finanzberater Bernharnd Meising über Fairness bei Aktienemissionen und das Spekulationsfieber (Interview)

Wirtschaft : Der Finanzberater Bernharnd Meising über Fairness bei Aktienemissionen und das Spekulationsfieber (Interview)

Herr Meising[haben Sie eigentlich ein schlechtes]

Bernhard Meising ist Geschäftsführer von Citigate Dewe Rogerson. Die Finanzagentur betreut unter anderen die Börsengänge von T-Online und Infineon.

Herr Meising, haben Sie eigentlich ein schlechtes Gewissen?

Wieso?

Da machen Sie die Anleger monatelang heiß auf Infineon und dann bekommt kaum einer die Aktie

Ein derartiger Run war nicht absehbar. Wir haben natürlich darauf reagiert und in der Woche vor dem Bookbuildingverfahren alles an Werbung abgesagt, was noch irgendwie zu stoppen war. Aber die Geschichte hatte da bereits eine unheimliche Eigendynamik entwickelt. Darüber hinaus ist natürlich zu sagen, dass es kein Grundrecht auf Zuteilung gibt. Und zu einem erwachsenen Kapitalmarkt gehört auch die Erkenntnis, dass bei so einer großen Nachfrage nicht jeder berücksichtigt werden kann.

Was erwarten Sie bei T-Online?

Die Story hinter der Aktie ist unschlagbar: Internetwerte sind ohnehin attraktiv, und das Unternehmen hat die starke Mutter Telekom im Rücken. Für Privatanleger ist das natürlich sehr attraktiv.

Was halten Sie von Überlegungen, das derzeitige Bookbuildingsystem bei Neuemissionen abzuschaffen?

Durch ein Auktionsverfahren würden zwar die Einnahmen für das Unternehmen möglicherweise größer. Dem steht aber der Nachteil gegenüber, dass es keinen Einfluss auf die Auswahl der Aktionärsstruktur nehmen kann. Die institutionellen Anleger würden ein solches Verfahren wahrscheinlich auch nicht mitmachen. Außerdem ist die Gefahr zu groß, dass sich der Preis der Aktien völlig von fundamentalen Bewertungsgrundlagen löst.

Die Aktie ist mittlerweile eine allgemein akzeptierte Anlageform. Ist Ihre Arbeit da überhaupt noch notwendig?

Definitiv. Der Wettbewerb am Kapital wird immer stärker. Ein Unternehmen, das an die Börse geht, muss heute immer mehr darum kämpfen, überhaupt wahrgenommen zu werden. Außerdem entsteht manchmal sehr schnell ein ungünstiges Börsenumfeld, wie wir es vergangenes Jahr nach der Sommerpause hatten. Dann wird unsere Arbeit umso wichtiger.

Welche Instrumente sind im Augenblick bei der Vorbereitung eines Börsenganges besonders angesagt?

Bei den großen Börsengängen setzen wir deutlich mehr TV-Werbung ein. Zwar sind die Printmedien immer noch sehr wichtig, weil nur dort auch argumentiert werden kann. Aber eine TV-Präsenz schafft mehr Ansprache und Emotion, ohne die es nicht geht. Eins der Erfolgsrezepte bei Infineon war sicherlich, dass wir viel Fernsehen eingesetzt haben. Wir müssen weg von dieser knochentrockenen, immer wieder gleichen Finanzwerbung, wie man sie bei vielen Unternehmen am Neuen Markt sieht.

Dabei war Infineon sicher kein einfacher Kandidat?

Richtig. Bei den Planungen im Sommer letzten Jahres hätten wir nie gedacht, dass der Börsengang so erfolgreich wird. Das Produkt kannte kein Mensch so richtig. Auch der Name war völlig unbekannt. Wir haben versucht, die Tätigkeit des Unternehmens möglichst einfach zu vermitteln. Man kann Aktien zwar nicht wie ein Waschmittel vermarkten, aber Instrumente der Markenkommunikation sind sehr hilfreich, damit sich Anleger mit einer Aktie identifizieren. Dahinter muss natürlich eine solide "Equity Story" stehen. Die Fragen stellte Holger Nacken

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