Wirtschaft : Der Fotograf des Potsdamer Platzes

KATHRIN SPOERR

Eigentlich ist es ganz einfach, bekannt und begehrt zu werden.Manchmal genügt es, zur richtigen Zeit am richtigen Ort das Richtige zu tun.Doch ganz so leicht - das zeigt die Praxis - ist es doch wieder nicht.Bei vielen paßten schon mal eine oder zwei dieser Voraussetzungen.Was aber wenig bringt.Alle drei zusammen müssen es sein.Das klappt nur bei Wenigen.Deswegen sind nur Wenige gefragt und bekannt.

Einer heißt Martin Potthoff.Mit seiner Fotokamera stand er auf der kriegs- und nachkriegsgeschädigten Brache, die einmal der prächtige Potsdamer Platz war, und versuchte sich vorzustellen, was gerade beschlossen worden war: daß hier, aus dem Nichts zwischen Osten und Westen wieder etwas Prächtiges entstehen soll.Das war so schwer, daß er beschloß, den Platz zu fotografieren, damit er "sich später einmal erinnern kann, wie er war und wie er wuchs".Potthoff kletterte auf einen Baukran und schoß die erste Serie - 24 Fotos, die er später als Panorama aneinanderklebte.Das war der Anfang, und aus ihm wurde die Idee.Sie machte aus einem Hobbyfotografen und Computerfreak eine über die Grenzen Berlins bekannte Person: Potthoff gilt als der Fotograf des Potsdamer Platzes.Für Ausstellungen, auf Postern, für Tageszeitungen, im Internet.Die Home-Page seiner Firma City.Scope besuchen täglich 1800 Surfer.Jeden Tag ist dort ein neuer Potsdamer Platz zu sehen.Ein kleines bißchen fertiger.

Eigentlich wollte Potthoff kein Unternehmer werden, sondern so ziemlich das Gegenteil eines Unternehmers: Lehrer.Er studierte in Köln Mathematik und Technik, machte 1984 sein Staatsexamen und arbeitete ein Jahr lang an einer Schule in Berlin."Nebenberuflich", sagt er."Und ohne innere Begeisterung." Denn das Schrauben an mikroelektronischen Maschinen, die später PC hießen, beschäftigte ihn seit den Computer-Anfängen.Er wurde zum Freak, verstand als einer der ersten, wie Computer in der Medienpraxis eingesetzt werden können, und vermittelte dieses Know-how Filmproduzenten, die High-Tech-Studios betreiben wollten, die Technik aber nicht verstanden."Als Autodidakt", sagt Potthoff und ist stolz.

Auch beim Potsdamer Platz hat Potthoff sich lange von Kleinbild und Baukran verabschiedet.Eine digitale Kamera hat er 1995 auf ein Dach am Rande der Baustelle gestellt.Als "big brother" sah sie, wie erst Löcher in die Graswüste gebaggert wurden und wie ein Berg aus Stahlbeton zu wachsen begann.Sie tut automatisch, was Potthoff mit der Hand machte: Panoramafotos, 360 Grad permanent beobachtend.Aneinandermontiert, per Computer natürlich, zeigen die Bilder in einem - mit den Jahreszeiten flackernden - Film das Wachsen des Potsdamer Platzes - in zwei Minuten.Vielleicht werden der Film und sein Autor später einmal richtig berühmt.

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