Wirtschaft : Der Freistaat setzt auf das richtige Pferd

Maren Peters

Thüringen setzt auf das richtige Pferd. In wenigen Wochen wird sich Wirtschaftsminister Franz Schuster nach Taiwan aufmachen, um einen investitionswilligen Halbleiterhersteller von den Vorzügen des 2,4 Millionen-Einwohner starken Bundeslandes zu überzeugen. Der Zuschlag für die fünf Milliarden Mark teure Chipfabrik würde dem strukturschwachen Land auf einen Schlag 2000 neue Arbeitsplätze bescheren. Die Chancen, die Thüringen neben Konkurrenten wie den Niederlanden und Kanada hat, dürften gar nicht mal schlecht stehen: Erfurt, das sich um den Zuschlag bewirbt, war in DDR-Zeiten Sitz des Mikroelektronik-Kombinats. Kompetenz und fachlich versierte Arbeitskräfte sind noch immer vorhanden. Dass dies ein wichtiges Argument ist, hat der Schaltkreis-Hersteller Thesys bewiesen, der sich nach der Wende in Erfurt angesiedelt und viele kleinere Elektronikfirmen nachgezogen hat. Nicht allzu weit entfernt hat Siemens mit dem Bau einer ertragreichen Chipfabrik ein weit beachtetes Zeichen gesetzt. Die Tatsache, dass das Werk aus allen Nähten platzt und Siemens seine Halbleiter-Tochter Infineon demnächst an die Börse schickt, spricht für die Zukunftsfähigkeit der Branche, die nach großen Einbrüchen infolge der Asienkrise wieder auf Expansion eingestellt ist: Bis 2003 wird mit Wachstumsraten von rund 16 Prozent per anno gerechnet. Wenn es Thüringen jetzt gelingt, das Pferd aufzuzäumen, dann rennt es von alleine.

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