Wirtschaft : Der Fußballbund versteht die Globalisierung nicht

Gert G. Wagner

Deutschland hat es noch einmal geschafft: Die Auswahlmannschaft des Deutschen Fußballbundes (DFB), meist "Nationalmannschaft" genannt, ist bei der Auslosung für die WM gesetzt worden und kann so die schwersten Gegner in der Vorrunde vermeiden. Sportlich bessere Teams, wie die aus England und Portugal, wurden nicht bevorzugt behandelt. Damit haben die DFB-Funktionäre wieder einmal bewiesen, dass sie im Kungeln gut sind, während die Stürmer auf dem Platz das Fummeln verlernt haben.

Auch im Fußball glauben viele, dass "die Ausländer" an allem schuld sind. Der Misserfolg der DFB-Auswahl wird darauf zurückgeführt, dass "deutsche Talente" in den Fußball-Bundesligavereinen keine Chance mehr bekämen, weil dort zu viele sehr gute Ausländer spielen. Jüngst hat der Trainer von Bayern München, Ottmar Hitzfeld, gefordert, dass von der nächsten Saison an in jedem 18er-Aufgebot für ein Bundesligaspiel mindestens neun Deutsche stehen müssten. Zwei müssten dann garantiert spielen; mit jeder Einwechslung würden es mehr. Ähnliche Forderungen waren schon vom Fußball-Professor Rehagel und vom Kaiser Beckenbauer zu hören. Obwohl alle diese Herren weit gereist sind, haben sie die Gesetze der Globalisierung offensichtlich nicht verstanden. Die vielen ausländischen Spieler in der Bundesliga müssten nämlich kein Problem für die "Nationalmannschaft" sein, wenn der DFB die Globalisierung richtig ausnutzen würde.

Ausschlaggebend für den Welt- und Europameisterschaftserfolg der Auswahlmannschaft des französischen Fußballverbandes war augenscheinlich die erfolgreiche Integration der Zuwanderer in das WM-Team. Zudem spielen viele der französischen Fußballprofis in der italienischen Liga.

Deutschland hat mit zehn Prozent einen höheren Anteil von im Ausland Geborenen als Frankreich, Holland oder ein "klassisches" Einwanderungsland wie die USA. Trotzdem spielen mit Mehmet Scholl und Gerald Asamoah nur zwei Kinder aus Zuwandererfamilien in der DFB-Auswahl.

Der Deutsche Fußballbund sollte sich von der Erfahrung überzeugen lassen, dass "Schutzklauseln" meistens nicht wirken, sondern lediglich zur pfiffigen Umgehung herausfordern. Auch im Wirtschaftsleben gibt es dafür immer wieder Beispiele. Es gibt bereits seit einiger Zeit die oben genannte DFB-Vorschrift, die besagt, dass in einem Bundesligaverein mindestens zwölf Profis mit deutschem Pass unter Vertrag stehen müssen. Deswegen hat Energie Cottbus deutschen Amateurspielern Lizenzspielerverträge gegeben. Nicht, um sie spielen zu lassen, sondern nur, um eine unsinnige Auflage zu erfüllen. Tennis Borussia Berlin hat das vor einigen Jahren schon vorgemacht.

Man kann es aber getrost dem Markt überlassen, wie Profi-Mannschaften zusammengesetzt werden. In vielen Städten ist es ohnehin nicht zu verhindern, dass die Zuschauer "bodenständige" Spieler sehen wollen; aber in Metropolen werden multikulturelle Teams Triumphe feiern und ein Vorbild für die Provinz sein.

Der DFB sollte sich mal im Ausland umgucken. Es gibt erfolgreiche und attraktiv spielende Auswahlmannschaften, deren Spieler nahezu komplett in ausländischen Clubs spielen. Neben Frankreich ist Jugoslawien ein Beispiel, oder Dänemark - trotz der Erfolglosigkeit bei der letzten EM. Der Nachwuchs aus diesen Ländern geht bereits in jungen Jahren ins Ausland.

Globalisierung bedeutet ja nicht nur, dass Kicker aus dem Ausland nach Deutschland kommen dürfen. Ebenso stehen Teams im Ausland deutschen Spielern offen. Warum gehen deutsche Nachwuchsfußballer nicht ins Ausland, wenn in der Bundesliga kein Platz für sie frei ist? Dass dies sehr erfolgreich sein kann, hat Kopfballspezialist Oliver Bierhoff bewiesen. Es gibt natürlich keine Garantie, dass ein Weg über Österreich nach Italien zurück in die DFB-Auswahl führt; aber ein solcher Weg bereichert nicht nur die Biografie eines Menschen, sondern lohnt sich auch finanziell.

Man sollte jungen Menschen nicht persönlich vorhalten, sie seien nicht mobil genug. Vielmehr muss man diesen Vorwurf an ihre Lehrer, Ausbilder und Trainer richten; nicht nur im Fußball, sondern in vielen Bereichen. Die Universität gehört leider auch dazu.

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