Wirtschaft : Der Gang zur Börse ist kein Kinderspiel

PETER HEIN

Über 70 Unternehmen sind im letzten Jahr neu an die Börse gekommen.Die vergleichsweise hohe Zahl läßt vermuten, daß ein Going-Public, wie der Börsengang auch heißt, ein reines Kinderspiel sei.Doch das Gegenteil ist der Fall.Bevor ein Unternehmen seine Aktien in den Handel bringen kann, muß es einige Hürden überwinden.Haben Management und Eigentümer eines Unternehmens den Entschluß zum Börsengang gefaßt, suchen sie sich zunächst eine Bank, die die Emission begleitet.Die Bank hat vor allem die Aufgabe, die Aktien bei privaten und institutionellen Anlegern zu plazieren.Zur Zeit ist das ein lukrativer Job.Der potentielle Neuling kann es sich daher leisten, mehrere Institute zum sogenannten Beauty-Contest antreten zu lassen.Jedes Institut stellt dabei sein Emissionskonzept vor - zum Beispiel das Marktsegment, in das die Aktie eingeführt werden soll.In der Regel bekommt die Bank, die das beste Konzept und den höchsten Ausgabepreis verspricht, den Zuschlag.

Sind die Verträge unter Dach und Fach, beginnen die Vorbereitungen für die Erstellung des Emissonsprospekts.Der Prospekt ist sozusagen Vertragsgrundlage für Anleger und Emittent.Darin werden unter anderem die Geschäftsaussichten, mögliche Risiken und die aktuellen Geschäftszahlen aufgeführt.Für die Richtigkeit der Angaben haften sowohl der Emittent als auch die Emissionsbank.Damit der Kandidat nicht etwa geschönte Zahlen vorlegt, checken Wirtschaftsprüfer seine Bücher vorher durch.Einen Wackelkandidaten will weder die Börse noch die Bank.Um nun wirklich zum Börsenhandel zugelassen zu werden, muß der Newcomer einen Antrag beim Zulassungsausschuß der Börse stellen.Der Ausschuß entscheidet nicht nur über die Aufnahme, sondern auch über das Marktsegment, in dem der Handel abläuft - zum Beispiel der Neue Markt.

Sind die Formalitäten erledigt, geht es darum die Werbetrommel zu rühren.Auf Pressekonferenzen stellt sich das Unternehmen den Journalisten und der Öffentlichkeit vor.In einer sogenannten Road-Show präsentiert es sich vor Bank-Analysten und institutionellen Anlegern im In- und Ausland.Das Ziel der Aktionen: Das Unternehmen soll sich einen Namen bei den Anlegern machen, damit der Verkauf der Aktien reibungslos über die Bühne geht.Parallel dazu wird das Verkaufsangebot mit dem Emissionsprospekt veröffentlicht und das Bookbuilding-Verfahren eingeläutet.Die Anleger können innerhalb einer Preisspanne ihre Kaufangebote abgeben.Die Frist endet in der Regel nach zwei oder drei Tagen.Dann gibt die Konsortialbank, bei der alle Gebote zusammenlaufen, den Ausgabekurs bekannt.Jetzt geht es darum, die zur Verfügung stehenden Aktien auf die Zeichnungsaufträge zu verteilen.Eine Prozedur, bei der Ärger programmiert ist.Bei der in der Regel viel zu hohen Zahl der Orders kommen nur wenige Anleger zum Zuge.

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