Wirtschaft : Der Gasehersteller ist auf dem Weg zum Weltmarktführer

Das glänzende Auslandsgeschäft hält den Wiesbadener Maschinen- und Anlagenbauer Linde auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr 1999 stieg der Konzernumsatz um 11,6 Prozent auf 5,41 Mrd. DM. Mit einem Plus von 17,2 Prozent auf 3,80 Mrd. DM war das Ausland Motor für den Zuwachs. In Deutschland stagnierten die Erlöse dagegen mit 1,61 Mrd. DM auf Vorjahresniveau. Das teilte die Linde AG am Dienstag mit.

Der Konzern macht bereits 70,2 Prozent des Umsatzes außerhalb der Landesgrenzen. Vor Steuern erzielte Linde einen Gewinn von 342 Mill. DM - drei Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Ansicht des Vorstandes profitiert Linde von der höheren Nachfrage nach Investitionen, die allerdings vorwiegend aus dem Ausland komme. Für 1999 erwartet das Management, dass es seine zu Beginn des Jahres formulierten Wachstumsprognosen von jeweils fünf Prozent bei Gewinn und Umsatz erreichen wird.

Durch die überraschend angekündigte Übernahme des schwedischen Gasespezialisten AGA für rund 6,9 Mrd. DM wird Linde bei Gasen die Nummer zwei in Europa und Viertgrößter der Welt. Mit AGA wächst das Linde-Gasegeschäft von 2,8 Mrd. DM (1998) auf mehr als sechs Mrd. DM. Eine Mehrheit an der AGA ist Linde bereits sicher. Derzeit halten die Wiesbadener rund 12,8 Prozent. Von mehreren Großaktionären liegen aber schon Verkaufszusagen vor, mit denen Linde auf 62,5 Prozent des Kapitals kommt. Voraussetzung für die Transaktion ist noch die Zustimmung der Kartellbehörden.

In der Warteschlange steht zudem eine Übernahme der ebenfalls auf Gase spezialisierten Hoechst-Tochter Messer Griesheim. Die Verhandlungen mit der Hoechst AG und der Familie Messer laufen auf Hochtouren und dürften spätestens im kommenden Jahr abgeschlossen werden. Käme der Messer-Kauf zu Stande, würde Linde mit einem Branchenumsatz von fast zehn Mrd. DM sogar Weltmarktführer.

Ein Bündnis von Linde, Aga und Messer dürfte erheblichen Preisdruck aus dem deutschen Gasemarkt nehmen: Bislang hatten sich vier Anbieter - Linde und Messer (jeweils 30 Prozent Marktanteil), Air Liquide (15) und Aga (10) - heftig Konkurrenz gemacht. Offenbar denkt Linde nun bereits darüber nach, die Gaseaktivitäten in eine rechtlich selbstständige Gesellschaft auszugliedern.

Hoechst muss seine Mehrheitsbeteiligung an Messer wegen der Fusion mit RhônePoulenc verkaufen. Der Preis für das Aktienpaket (66 Prozent) dürfte Branchenkennern zufolge erheblich unter sechs Mrd. DM liegen, denn Messer ist mit über zwei Mrd. DM hoch verschuldet. Verkauft Hoechst Messer schuldenfrei, ergibt sich ein Preis von rund fünf Mrd. DM. Muss der Käufer die Schulden übernehmen, sinkt der Erlös für Hoechst auf etwa drei Mrd. DM.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben