Wirtschaft : „Der Gentleman knöpft zu“

Gerd Müller Thomkins, Geschäftsführer des Deutschen Instituts für Herrenmode, über Trends und richtigen Stil

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Herr Müller-Thomkins, besitzen Sie Anzüge aus der Maßkonfektion?

Nein, ich habe allerdings ein paar maßgeschneiderte Anzüge.

Heißt das, Sie haben etwas gegen Maßkonfektion?

Nein, überhaupt nicht. Das ist ein guter Einstieg in einen individuellen Kleidungsstil. Allerdings darf man die Maßkonfektion nicht mit der Maßschneiderei verwechseln.

Warum?

Weil ein maßgeschneiderter Anzug wie eine zweite Haut ist, einfach viel individueller als die Maßkonfektion. Das ist schon ein bißchen wie Sekt oder Selters. Aber wie gesagt: Auch die Konfektion nach Maß bietet schon viele Möglichkeiten.

Beim Maßkonfektionär hat man die Qual der Wahl: Welchen Stoff sollte man nehmen?

Zunächst sollte man diesen Winter gedeckte, natürliche Farben wählen. Sand-, Bronze-, Karamel- und Grautöne sind in. Und auf jeden Fall Streifen. Außerdem trägt man den englischen Tweed-Stoff wieder. Anstatt einen abgestimmten Anzug zu tragen, würde ich auch Kombinationen empfehlen – zum Beispiel eine Cordhose mit einem Samtsakko. Das kann man sich beim Maßkonfektionär gut zusammenstellen.

Wie sieht es mit den Extras aus: durchgeknöpfte Jackett-Ärmel und Manschettenknöpfe zum Beispiel. Ist das nicht antiquiert?

Nein, im Gegenteil. Das sind alles willkommene und stilvolle Varianten. Alles, was das Kleidungsstück persönlicher und individuell macht, finde ich grundsätzlich gut.

Ist es okay, wenn man den durchgeknöpften Sakko-Ärmel aufknöpft, um zu zeigen, dass man einen Maßanzug trägt? Denn bei Anzügen von der Stange gibt es das ja nicht.

Der Gentleman knöpft den Ärmel zu. Wer wirkliches Stilbewußtsein hat, der hat es einfach nicht nötig, vor anderen damit zu prahlen. Das hat mit einem gewissen Understatement des wahren Gentlemans zu tun.

Trägt man heutzutage noch Zweireiher?

Ja, die kann man schon auch wieder tragen. Allerdings geht der Trend doch mehr in Richtung „casual“, also Freizeitlook, auch bei Anzügen. Und Zweireiher kann man ja nur zugeknöpft tragen. Da ist der Einreiher mit einem steigenden Revers doch angebrachter.

Was sollte man bei Hemden beachten?

Dass man den Kragen hoch und opulent trägt. Da kann auch eine dreifache Knopfleiste dran sein. Gemustert dürfen die Hemden auch sein – etwa mit floralen Motiven.

Das klingt alles exotischer als das, was die Konfektionäre zur Auswahl anbieten...

Das stimmt. Image und Auswahl sind oft zu konservativ. Dabei könnten gerade die Maßkonfektionäre mit einer moderneren Auswahl eine Marktnische besetzen.

Das Gespräch führte Flora Wisdorff.

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