Wirtschaft : Der Goldmarkt hat sich wieder beruhigt

mo

Nach den kurzfristigen Turbulenzen am Goldmarkt in der vergangenen Woche hat sich die Situation wieder beruhigt. Äußerungen des Bundesbank-Präsidenten Ernst Welteke hatten am Markt vorübergehend für Unruhe gesorgt und den Unzenpreis um fünf Dollar auf knapp 293 Dollar gedrückt. Am Montag kostete die Feinunze (31,1 Gramm) zwar nur rund 291 Dollar. Rohstoffhändler verwiesen aber darauf, dass mittelfristig eher mehr für höhere Goldpreise spreche als dagegen, zumal kurzfristig keine großen Verkäufe möglich seien. So deuteten niedrigere Fördermengen und gestiegenes Interesse von Anlegern, vornehmlich aus den USA und Japan, kurzfristig auf Goldpreise um 300 Dollar.

Im Gespräch mit Bloomberg TV hatte Welteke nicht ausgeschlossen, einen Teil der Goldreserven zu verkaufen und die Erträge dann - nach dem Muster anderer Notenbanken - in zinsbringende Aktiva anzulegen. Einen kurzfristigen Verkauf der Reserven hatte Welteke aber ausgeschlossen. "Auf keinen Fall dürften die Reserven verkauft werden, um damit Schulden beim Bund zu bezahlen oder neue Ausgabenprogramme zu finanzieren. Allenfalls könnten die dann erzielten Erträge für den Schuldenabbau eingesetzt werden", betonte Welteke.

Historische Gründe

Rund um den Globus verfügen die Notenbanken über ansehnliche Goldbestände. Weltweit werden die Bestände auf mindestens 28 000 Tonnen geschätzt. Die Bundesbank verfügt noch über 3457 Tonnen. Die umfangreichen Reserven haben historische Gründe. So galt Gold stets als sichere Anlage. In Zeiten hoher Inflationsraten stieg der Goldpreis regelmäßig. Dass das Bedürfnis nach Sicherheit ungebrochen ist, zeigt die starke Nachfrage in den vergangenen Monaten: Die unsichere geopolitische Lage kommt dem Goldpreis seit geraumer Zeit zu Gute. Außerdem hat auch die langjährige Goldbindung der Leitwährung Dollar und vieler anderer Währungen dem Einzelnen das Gefühl vermittelt, in schwierigeren Zeiten auf der sicheren Seite zu sein. Einst hatten die Bankkunden sogar das Recht, die Währung in Gold einzutauschen. Noch bis 1971 war der Dollar an das Gold gebunden.

Seit der Aufgabe der Goldkonvertibilität hat die Rolle des gelben Metalls als Sicherheitspolster an Bedeutung verloren. Und seit die EZB 1999 ihre Arbeit aufgenommen und einen Teil der nationalen Währungsreserven übernommen hat, wird immer öfter nach dem Nutzen nationaler Goldreserven gefragt. Zwar besteht der Sinn und Zweck nach Einschätzung der Bundesbank-Spitze noch heute darin, "das Vertrauen in die Währung und die nationalen Zentralbanken zu festigen". Doch immer mehr Nationalbanken gehen mittlerweile dazu über, das zinslose Gold in festverzinsliche Anleihen einzutauschen. Denn die Reserven sollten möglichst ertragreich angelegt werden.

Verkäufe zurzeit kein Thema

Vor 2004 sind Goldverkäufe aber hier zu Lande kein Thema. Denn die Bundesbank kann sich nicht so ohne weiteres von ihren Goldreserven trennen. 1999 hatten die Briten den Goldpreis überraschend durch umfangreiche Verkäufe unter Druck gesetzt. Der Unzenpreis stürzte damals von 290 US-Dollar auf rund 260 US-Dollar. Damit war Gold so billig wie 20 Jahre zuvor. Um solche Preiseinbrüche künftig zu vermeiden, unterzeichneten 15 Notenbanken im September 1999 das so genannte "Washingtoner Abkommen". Demnach dürfen Goldreserven nur in Absprache mit anderen Notenbanken verkauft werden.

Vereinbart wurde, dass bis September 2004 jährlich maximal 400 Tonnen verkauft werden dürfen. Unterm Strich sollten es nicht mehr als 2000 Tonnen sein. Im Jahr 2004 soll das Abkommen überprüft und gegebenenfalls verlängert werden. Allein die Schweiz und Großbritannien haben seither bereits über 1700 Tonnen verkauft und sich damit von rund der Hälfte ihrer Reserven getrennt. Damit bleibt der Bundesbank nur wenig Spielraum für Goldverkäufe.

Der direkte Zugriff auf die Goldreserven ist nicht zuletzt durch den EG-Vertrag geschützt. Nach Art. 105 Abs. 2 hat die Bundesbank die Aufgabe und das Recht, die deutschen Währungsreserven zu verwalten. Von den 88,5 Milliarden Euro Währungsreserven entfielen zuletzt 36,2 Milliarden Euro auf Gold und Goldforderungen; 52,3 Milliarden auf Devisen, überwiegend US-Dollar.

Weitere Artikel zum Thema:

"Goldverkauf keine Lösung"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben