Wirtschaft : Der Goldpreis gibt Rätsel auf

Wolfgang Drechsler

Nach den Anschlägen in den USA beschäftigt die Wirtschaftsexperten noch immer die Entwicklung des Goldpreises - und damit verbunden die Kursentwicklung der Goldaktien. Für Aufruhr sorgte zu Monatsbeginn der überraschende Sinneswandel eines Analysten, der bislang zu den größten Skeptikern am Goldmarkt gehörte. Andy Smith von Mitsui Securities in London hat den Goldpreis jahrelang herunter geredet und noch vor kurzem vor einem Abgleiten der Unze unter die Marke von 200 Dollar gewarnt. Nun hält er einen Anstieg auf 340 Dollar schon in den nächsten drei Monaten und danach weitere Zugewinne für möglich.

Die Begründung für den Sinneswandel ist denkbar einfach: Die weitaus meisten Menschen, so Smith, hätten noch immer nicht begriffen, wie sehr sich die Welt durch die Zerstörung des World Trade Centers in New York verändert habe. Gold floriere aber vor allem in einem unsicheren Umfeld. Smith selbst sieht den Angriff auf die USA nur als "Beginn eines Dramas". Zudem glaubt Smith, dass der in den letzten Jahren um die Hälfte geschrumpfte Goldmarkt stark anziehen könnte, wenn auch nur ein größerer Hedge Fonds sich stärker engagieren würde.

Viele Goldanalysten können diesem Szenario wenig abgewinnen. Die meisten bleiben skeptisch. So erwartet zum Beispiel die in London ansässige, renommierte Beratungsfirma Gold Fields Mineral Services (GFMS), dass sich der Goldpreis zwar um 285 Dollar etablieren, aber in näherer Zukunft nicht über 300 Dollar steigen wird. "Zwar hätte Gold Aufwärtspotenzial, wenn es zu größeren Investition durch einen Hedge Fonds käme, doch ist dies nur dann der Fall, wenn es seine Rolle als sicherer Hafen bewahren kann", sagt GFMS-Direktor Philip Klapwijk. Ähnlich argumentiert auch Rob Edwards vom Johannesburger Brokerhaus HSBC. Da Gold nicht mehr als Sicherheitsanlage in Krisenzeiten gelte, dürfte es eher nach unten als nach oben tendieren.

Minen profitieren vom Rand-Verfall

Dennoch ist unzweifelhaft, dass vor allem die Goldproduzenten am Kap von den Folgen der Terroranschläge profitiert haben. Wichtiger als das leichte Anziehen des Goldpreises war für sie jedoch der Schwächeanfall der südafrikanischen Randwährung. Denn während die Abbau- und Lohnkosten in Rand anfallen, erhalten die Konzerne ihre Erlöse in Dollar. Dies erklärt auch den überproportional starken Anstieg ihres Aktienpreises seit dem 11. September.

Die größten Gewinner sind dabei jene Konzerne gewesen, die, wie Harmony (plus 21 Prozent), Gold Fields (plus 20 Prozent) und Durban Deep (plus 35 Prozent), das gelbe Metall kaum oder nur in geringem Maße auf Termin verkaufen. Dass vor allem Anglogold als weltweit größter Produzent nur um fünf Prozent gestiegen ist, dürfte zum einen an seinen hohen Terminverkäufen, zum anderen aber auch dem Übernahmeversuch der australischen Goldfirma Normandy liegen, der auf der Basis eines Aktienaustausches abgewickelt werden soll.

Konservative Anleger, die wie Andy Smith an eine Renaissance des gelben Metalls glauben, sollten nach Angaben von Experten lieber etablierte, kapitalstarke Qualitätsproduzenten kaufen. Dazu gehören neben Südafrikas Anglogold und Gold Fields auch die nordamerikanischen Konzerne Barrick, Newmont und Placer Dome. Mehr Risikofreude braucht man allerdings bei den Aktien von Produzenten wie der südafrikanischen Harmony oder der amerikanischen Homestake Mining, die kein oder kaum Gold im voraus verkaufen und wegen der fehlenden Absicherung besonders stark auf die Ab- und Aufschwünge des Unzenpreises reagieren.

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