Wirtschaft : Der graue Kapitalmarkt boomt

STEFAN KEIDEL (HB)

Der Markt mit betrügerischen Anlageangeboten boomt.1997 weist die Kriminalstatistik einen neuen Rekord mit einem Gesamtschaden von drei Mrd.DM aus.Das ist eine Steigerung um 59 Prozent.Die Dunkelziffer liege aber deutlich höher, sagen Experten.Auch 1998 dürfte der Vormarsch der Abzocker ungebrochen sein, Zahlen liegen noch nicht vor.Seriöse Schätzungen sind kaum möglich, bietet der graue Kapitalmarkt den Betrügern doch ein undurchschaubares illegales Betätigungsfeld.Zahlen von 40 Mrd.DM im Jahr werden in den Raum geworfen.

Bereits bei der Kontaktaufnahme unterscheiden sich seriöse von unseriösen Anbietern von Kapitalanlagen.Hier differenziert der Verein Finanzplatz in seiner jüngsten Studie zwei Arten: Die Kontaktaufnahme per Telefon und die sogenannten Haustürgeschäfte.Die "Cold Calls" über Telefon verstoßen zwar gegen das Wettbewerbsrecht werden faktisch aber nicht verfolgt.Mittlerweile kommen die Angebote auch unaufgefordert per E-mail, was ebenfalls untersagt ist.

Die Verkäufer am Telefon gehen mit rhetorisch ausgefeilten Redeprotokollen und Sprechzetteln vor.Der Kunde wird durch geschickte Fragen dazu gebracht, sich entweder selbst widersprechen zu müssen oder ein Geschäft abzuschließen.Die Betrüger garantieren zwei- bis dreistellige Renditen und versprechen meist nicht vorhandene Steuervorteile.Daneben schürt der Abzocker bestehende Kundenängste und stellt sich geschickt auf aktuelle Themen ein.Gegenwärtig hoch im Kurs sind Produkte, die auf die Furcht vor dem Euro und auf die sich verschlechternde Situation der gesetzlichen Rentenversicherung zielen.Darüber hinaus setzt der unseriöse Anbieter regelmäßig Zeitdruck ein.Der Anleger sollte, darauf legt Finanzplatz besonderen Wert, sich bei Investitionen niemals drängeln lassen, zumal wenn er den Anbieter nicht oder noch nicht lange kennt.

Die Lebensdauer vieler Unternehmen am grauen Kapitalmarkt ist begrenzt.Häufen sich Ersatzansprüche geprellter Kunden oder droht ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren, wird die Firma wieder aufgelöst.Daher sollten sich Anleger vorher über den Anbieter informieren, etwa beim Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel in Frankfurt oder beim Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in Berlin.Besondere Vorsicht ist geboten, wenn der Vertragspartner aus dem Ausland stammt.Hierdurch würden zivil- und strafrechtliche Haftungsklagen erheblich erschwert oder gar unmöglich gemacht, so Finanzplatz.

Die rechtliche Konstruktion eines Investments ist für Betrüger ein wichtiges Instrument.Der Zweck der komplizierten Vertragswerke liege oft nur darin, den Rechtsweg für den Geschädigten so kostspielig und langwierig wie möglich zu gestalten.Von den Behörden kann der Anleger keine Hilfe erwarten, denn sie überführen allenfalls die Täter, beschaffen verschwundene Gelder aber nicht wieder.

Das eingesammelte Kapital werde mitunter gar nicht oder nur teilweise investiert, so Finanzplatz weiter.Durch fiktive Kontoauszüge werde dem Anleger ein Engagement vorgegaukelt.Nach anfänglichen kurzfristigen Gewinnen, die zumeist nur auf dem Papier existieren, wird von ihm weiteres Geld eingefordert, denn nun habe er ja den "Nachweis", daß das Geschäft rentabel und seriös sei.Sobald die garantierten "Superrenditen" ausbleiben, wird der Anleger hingehalten, zeitweilig schwierige Bedingungen an den Finanzmärkten vorgeschoben.Um entstandene Verluste auszugleichen, wird weiterer Kapitaleinsatz gefordert.

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