Wirtschaft : Der Grieche Lucas Papademos ist neuer Vizepräsident der EZB

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Dass ein Banker aus einem der kleinsten Länder der Währungsunion den Posten bekommen würde, war für Außenstehende überraschend. Für Mitarbeiter der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht unbedingt. Am Montag betrat Lucas Papademos zum ersten Mal offiziell als Vizepräsident und Nachfolger des Franzosen Christian Noyer den Frankfurter Eurotower. Der 54-jährige Grieche wird für acht Jahre zum zweitwichtigsten Mann in der zweitwichtigsten Notenbank der Welt.

Er profitiert davon, dass die Franzosen bewusst auf den Posten verzichten. Sie setzen darauf, dass sie den künftigen Präsidenten der EZB stellen, wenn Wim Duisenberg im Juli 2003 zurücktritt. Und die anderen großen Länder des Währungsverbundes sind bereits im Direktorium der EZB vertreten. Papademos – zu deutsch „Priester des Volkes“ – wird nicht nur von Bundeskanzler Gerhard Schröder als bester Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten der EZB angesehen. Denn der bisherige Gouverneur der Bank von Griechenland gilt als der Mann, der seinem Land den Weg in die Währungsunion geebnet hat. Seit Anfang 2000 ist Griechenland Mitglied in der EWU.

Der Frankfurter Eurotower ist Papademos keineswegs fremd. Seit über einem Jahr gehört der Wirtschaftsprofessor dem Rat der EZB an. Von 1994 bis 1998 war er bereits Mitglied des Rates des Europäischen Währungsinstitutes (EWI), des Vorläufers der EZB. Sein geldpolitisches Wissen sammelte Papademos in den USA. Dort studierte er Physik und Ingenieurwissenschaften und promovierte in Ökonomie, lehrte in New York Geldpolitik und arbeitete für die US- Notenbank. 1985 ging er zurück nach Griechenland. 1994 wurde er Präsident der Notenbank. Seinem Engagement wird zugeschrieben, dass die Inflationsrate gedrückt wurde und Griechenland damit den Weg in die Währungsunion fand.

Die Arbeit der EZB erfordert nach Meinung von Papademos völlige Unabhängigkeit. Genauso wichtig sei der Dialog mit den wichtigen politischen Institutionen in der EU. Preisstabilität ist die Basis für steigende Einkommen und Beschäftigung, für sozialen und wirtschaftlichen Wohlstand, sagt Papademos und beruft sich auf einen berühmten Vordenker: Aristoteles. Schon dieser habe gewarnt, dass man vereinbarte Regeln für ein Währungssystem nicht leichtfertig umstoßen dürfe.ro

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