Wirtschaft : Der Handel will nicht länger die Zeche zahlen

Das bargeldlose Zahlen ist den Händlern ein Dorn im Auge / Zusatzkosten gehen ins Geld

BERLIN.Der deutsche Handel hofft auf Brüssel.Was man im eigenen Lande bislang nicht durchsetzen konnte, soll nun EU-Wettbewerbskommissar Karel van Miert richten: Wer im Laden mit Kreditkarte bezahlt, soll künftig - wie heute schon in Schweden und Großbritannien üblich - die damit verbundenen Kosten selbst tragen. Das ist Wasser auf die Mühlen der deutschen Händler, die sich schon seit Jahren gegen die Provisionen wehren, die sie an die Kartengesellschaften abführen.Zahlt der Kunde mit seinem guten Namen, kostet das den Einzelhandel - je nach Kartenunternehmen - zwischen drei und fünf Prozent vom Umsatz."Wir subventionieren damit die Zusatzleistungen der Karteninstitute", kritisiert der Sprecher des Einzelhandelsverbandes, Thomas Werz.Verbilligte Mietautos, Sonderkonditionen in Hotels - all das finanziere der Handel stillschweigend mit. Kein Wunder, daß man an der Ladenkasse anderes vorzieht: Neben dem guten alten Bargeld - die billigste Lösung - freut man sich auch über jeden Käufer, der mit seiner ec-Karte am elektronischen Lastschriftverfahren teilnimmt.Zwar hat der Händler hier keine Garantie, daß er sein Geld auch wirklich bekommt, eines ist aber sicher: Gebühren für die Bank fallen nicht an.Ein Argument, das Ketten wie Ikea und Peek & Cloppenburg dazu bewogen hat, Kreditkarten zugunsten der ec-Karte zurückzuweisen. Verglichen damit sind alle anderen bargeldlosen Einkäufe für die Läden teurer.Nutzt der Kunde das ec-cash-Terminal (mit Eingabe der PIN-Geheimnummer), muß der Händler erst einmal Gebühren in Höhe von 1,4 Prozent des Umsatzes für die Anschaffung und Wartung des Geräts rechnen und dann auch noch 0,3 Prozent vom Umsatz an die Bank abführen.Der Grund: "Das Kreditinstitut bestätigt dem Handel sofort online, ob die Rechnung gedeckt ist, das kostet Geld", betont Oliver Wolfrum vom Bankenverband.Und auch die Geldkarte, die die Geldbranche allmählich bundesweit publik machen möchte, sei ihr Geld wert, meinen die Banker.Da der Computerchip auf der (ec-)Karte vorher "aufgeladen" werde, könne auch hier der Händler sicher sein, daß die Rechnung beglichen wird.Und: Wie beim ec-cash entfalle die lästige Bargeldabrechnung.Doch der Handel zieht nicht mit.Denn wie beim ec-cash würden sich auch die Kosten für die Geldkarte auf einen Anteil von 1,7 Prozent am Umsatz summieren.Daher sucht man heute in den Läden noch meist vergeblich nach den Geldkarten-Terminals. Noch ist nicht entschieden, wer am Ende den längeren Atem hat.Doch eines steht heute schon fest: Selbst wenn sich der Handel zumindest bei der Kreditkarte durchsetzt, wird der "normale Kunde" davon nicht profitieren.Wer meint, daß die Läden dann nämlich die Preise um jene drei bis fünf Prozent senken würden, die bislang die Karten-Abrechnungsstellen für die Buchhaltung kassieren, wird enttäuscht: "Der Anteil der Kartenzahler ist nicht so hoch, daß sich das nennenswert auf den Gesamtumsatz auswirkt", räumt Werz ein.HEIKE JAHBERG

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