Wirtschaft : Der Hartz-Faktor hilft der Nürnberger Statistik

Mini-Job, Ich-AG oder Personal-Service-Agenturen – neue Beschäftigung schaffen die neuen Instrumente erst nach und nach

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Berlin (pet). Arbeitsmarktexperten bezweifeln, dass die HartzReformen Grund für die leichte Erholung am Arbeitsmarkt sind. „Die Reformen sind gerade erst angelaufen“, sagte der Arbeitsmarktexperte des Münchner Ifo-Instituts, Martin Werding. „Es ist zu früh, eine Bewertung vorzunehmen.“

Der Chef der Bundesanstalt für Arbeit (BA), Florian Gerster, sagte dagegen am Dienstag, der deutliche Rückgang der saisonbereinigten Arbeitslosenzahl um 33 000 sei auf verstärkte Anstrengungen der Arbeitsämter bei der Aktivierung der Arbeitslosen sowie auf die Folgen der Hartz-Gesetze zurückzuführen. Ifo-Experte Werding führt die leichte Entspannung vor allem auf saisonale Effekte wie das warme Wetter und den späten Beginn der Sommerferien zurück.

Die konkrete Bilanz der verschiedenen Hartz-Instrumente ist schwierig, da sie noch neu sind. Völlig offen ist zum Beispiel, ob die neuen Mini-Jobs ein Erfolg sind. Die Mini-Job-Zentrale in Bochum hat zwar zwar bereits 6,1 Millionen Mini-Jobber registriert – das sind rund 800 000 mehr als vor einem Jahr einen 325-Euro-Job hatten. Aber ob tatsächlich neue Jobs entstanden sind oder nur bestehende Jobs in die pauschal besteuerten Mini-Jobs umgewandelt wurden, ist noch unklar. „Eine Schätzung ist noch nicht möglich“, heißt es bei der Zentrale.

Nur schleppend läuft die Gründung der so genannten Personal-Service-Agenturen (PSA) an, also die vom Arbeitsamt geförderte Leiharbeit, die Arbeitslose schneller in den Job zurückbringen soll. Bis Jahresende sollen 800 bis 1000 PSA entstehen, die 50 000 Arbeitslose vermitteln. Derzeit gibt es nach Auskunft der Bundesanstalt für Arbeit 554 PSA, mit gerade einmal 2340 Teilnehmern. „Ich bin zuversichtlich, dass wir das Ziel noch erreichen können“, sagt BA-Sprecher Wilhelm Kleinlein. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) spricht für die Region Berlin-Brandenburg dagegen schon jetzt von einem „Flop“ der PSA. So seien in den 39 Agenturen gerade einmal 180 Erwerbslose betreut worden, Kapazitäten hätten aber für 2500 Arbeitslose bestanden, sagte Bernd Rissmann, der Vize-DGB-Chef in der Region.

Dagegen nutzen immer mehr Menschen ohne Job die Chance, sich mit einer Ich-AG selbstständig zu machen. Sie werden dabei bis zu drei Jahre mit maximal 14 400 Euro gefördert. Seit Jahresbeginn hat die Bundesanstalt mehr als 33 200 Ich-AGs registriert. „Viele Arbeitslose nutzen die Ich-AGs, um ihren Traum von der Selbstständigkeit zur realisieren“, sagte BA-Sprecher Kleinlein. Außerdem wagen immer mehr Arbeitslose mit Hilfe eines Überbrückungsgeldes vom Arbeitsamt den Sprung in die Selbstständigkeit. Seit Beginn des Jahres haben rund 79 000 Menschen die Anschubfinanzierung in Anspruch genommen – das waren 35 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

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