Wirtschaft : Der Höllenhund hat immer noch Hunger Finanzinvestor Cerberus und der Wohnungsmarkt

Juliane Schäuble/Ralf Schönball

Berlin - Sie sind hungrig, haben viel Geld und tragen abenteuerliche Namen wie Lone Star oder Cerberus, der Höllenhund aus der griechischen Mythologie. Internationale Finanzinvestoren, neuerdings auch gerne Heuschrecken genannt, zieht es verstärkt auf den deutschen Wohnungsmarkt – und nach Berlin.

Prominentestes Beispiel im letzten Jahr war der Verkauf des landeseigenen Wohnungsunternehmens GSW an ein Konsortium, das von dem US-Fonds Cerberus und der Investmentbank Goldman Sachs angeführt wird. Kurz darauf erwarb Cerberus weitere 2500 Wohnungen von der landeseigenen Degewo. Lone Star übernahm bereits vor Jahren Plattenbauten in Marzahn.

Das werden nicht die letzten Privatisierungen sein, zumindest wenn es nach dem Deutschlandchef von Cerberus geht. „Wir haben auch weiterhin ein starkes Interesse an Berlin“, sagte Ralph Winter am Mittwoch bei einem Unternehmerforum in Berlin.

Die Rahmenbedingungen sind gut: Historisch niedrige Zinsen locken gerade Investoren aus dem angelsächsischen Raum. Die überschuldeten Kommunen verkaufen unter Druck. Und die Wohneigentumsquote in Deutschland ist gering, so dass für den Weiterverkauf einzelner Immobilien mit Gewinn an Privatleute oder kleinere Investoren viel Spielraum bleibt. Schließlich versprechen auch noch die vergleichsweise niedrigen Mieten hohe Renditen.

Und gerade in Berlin haben die Kommunen noch viel Besitz: Rund 280000 Wohnungen und damit 15 Prozent des gesamten städtischen Bestandes gehören den sechs öffentlichen Wohnungsunternehmen. Gemeinsam verzeichneten sie im vergangenen Jahr einen Verlust in Höhe von 46,8 Millionen Euro.

Schuld daran waren allerdings nicht die renditeträchtigen Wohnimmobilien, sondern fehl geschlagene Spekulationen der Wohnungsbaugesellschaft Berlin- Mitte mit Gewerbeimmobilien. Dennoch fordert Finanzsenator Thilo Sarrazin: „Neben ihren sozialen Aufgaben muss man diese Unternehmen rentabel machen.“

Wegen der großen Nachfrage der Fonds ziehen die Preise nun an. Beim GSW-Deal hatte Cerberus noch umgerechnet rund 32000 Euro pro Wohnung bezahlt. Die Corpus Immobiliengruppe, im Mehrheitsbesitz der Sparkassen von Düsseldorf, Köln- Bonn und Frankfurt am Main, musste Anfang Oktober bei der Übernahme der 5100 Wohnungen von den Berliner Verkehrsbetrieben schon 68000 Euro aufbringen.

Das Land Berlin kann sich über die steigenden Preise für Immobilien freuen. Bei weiteren Privatisierungen würden die Kassen klingeln. Doch auch ohne neue Verkäufe haben die landeseigenen Wohnungsunternehmen gezeigt, dass sie schöne Beiträge zur Haushaltskonsolidierung leisten können. Der Verband Berlin-Brandenburgischer Unternehmen ermittelte, dass sie in den vergangenen zehn Jahren gemeinsam 1,6 Milliarden Euro durch „In-Sich-Geschäfte“ und Wohnungsverkäufe in die Landeskassen spülten.

0 Kommentare

Neuester Kommentar