Wirtschaft : Der Immobilienhai kehrt zurück

Andrew Stone wurde in New York reich, dann verließ er seine Firma – jetzt versucht er ein Comeback

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Von Christine Haughney Vor sechs Jahren gab Andrew Stone seine umstrittene Karriere an der Wall Street auf, wo er mehr als 100 Millionen USDollar verdient hatte. Er hinterließ einen Finanzschlamassel, den zu entwirren sein früherer Arbeitgeber Jahre brauchte.

Nach seinem Abschied von der Großbank Credit Suisse First Boston (CSFB) segelte Stone mit seiner Familie um die Welt, lud Freunde in sein Haus mit zehn Schlaf- und zwölf Badezimmern auf Long Island ein und trainierte die Baseball-Mannschaft seines kleinen Sohnes. Doch jetzt, da die Grundstückspreise Rekordhöhen erreichen und die Banken mit Immobiliendarlehen Millionen verdienen, versucht Andrew Stone ein Comeback.

Mit Hilfe mehrerer Exkollegen kehrt er zurück auf einen Markt, den er selbst mit erschaffen hat. Der mittlerweile 48-Jährige hofft, bis zum Ende des Jahres 500 bis 750 Millionen US-Dollar zusammenzuhaben, die er in einen Sicherungsfonds namens Petra – griechisch für Fels – stecken will.

An Stones Fähigkeiten zweifeln nur wenige, auch wenn einige bezweifeln, dass er das Geld zusammenbekommen wird. Ein Umstand, der für ihn spricht, ist ein Netz aus früheren Mitarbeitern, die jetzt zu den mächtigsten Männern im Immobiliengeschäft an der Wall Street zählen. „Wenn er das Geld zusammenbringt, dann weiß er schon, wie er es spielen lassen kann“, sagt Brian Harris, geschäftsführender Direktor der Großank UBS, der früher unter Stone gearbeitet hat.

Mark Finerman von RBS Greenwich Capital, der ebenfalls einmal für Andrew Stone gearbeitet hat, sagt, sein Unternehmen stehe bereits in Verhandlungen, um das Gründungskapital für Petra zur Verfügung zu stellen – auch wenn Stones Fonds letztlich ein potenzieller Konkurrent sei. „Ich bin an der Finanzierung interessiert. Er könnte von uns in vielerlei Hinsicht profitieren“, sagt Finerman. „Und ich ziehe es vor, in seine Geschäfte eingeweiht zu sein.“

In seiner Zeit bei der Daiwa Securities Amerika Inc. und später bei CSFB gewährte Stone Kredite an Bauunternehmen, die über Hypotheken abgesichert wurden, und verkaufte diese Sicherheiten anschließend als Anleihen. In jener Zeit zögerten die Banken infolge großer Verluste im Immobilienmarkt, Bauunternehmen Kredite zu gewähren. Stone und andere an der Wall Street verhalfen der Branche zu dem dringend benötigten Geld, trugen so zu der Erholung des Immobilienmarktes bei und setzten die Grundlagen für den jetzigen Boom.

Andrew Stone spekulierte mit hohem Einsatz mit den Geldern seines Unternehmens und kassierte gigantische Dividenden. Seine Gruppe erhielt 30 Prozent der Profite, und er selbst strich zwischen 1997 und 1999 mehr als 100 Millionen Dollar ein. Er verließ CSFB 1999, als die weltweiten Märkte infolge der russischen Schuldenkrise schwankten. In den drei Jahren nach seinem Abschied verlor die Firma Millionen, als sie Immobilien im Wert von etwa 10 Milliarden US-Dollar abstieß, um unsichere Kredite und Investitionen zu finanzieren.

Stone erntete viel Kritik, weil er bereit war, höhere Kredite als andere an Bauunternehmen zu gewähren. Während die Konkurrenz Kredite in Höhe von 75 Prozent des Verkehrswertes der Immobilie ausreichte, gewährte er welche von bis zu 95 Prozent, was das Risiko der Kredite erhöhte, insbesondere für den Fall, dass die Grundstückspreise fallen sollten. Die Konkurrenz, frustriert darüber, dass er ihr das Wasser abgrub, sagte, er sei große Risiken eingegangen, ohne sich um die Konsequenzen zu scheren.

Seine Gruppe wurde kurz nach seinem Weggang aufgelöst. Aus dem Umfeld der CSFB heißt es, das Unternehmen habe einen Reservefonds von 250 Millionen US-Dollar gebildet, um mögliche Verluste abzudecken. Weder Stone noch CSFB haben zu den Verlusten Stellung genommen. Bill Pitofsky, der mit Andrew Stone vor dessen Ausscheiden zusammenarbeitete und sich später um die Liquidierung des Portefeuilles bemühte, sagt, die Gruppe sei in der Lage gewesen, „die Vermögenswerte zu weit besseren Bedingungen als zunächst angenommen“ zu liquidieren.

Stone lehnte eine Stellungnahme zu seinem jüngsten Vorhaben ab. Doch aus seinem Umfeld heißt es, er versuche, Kapital zu gewinnen, um eine Neuauflage seines alten Geschäfts zu versuchen – diesmal allerdings mit weniger Risiko.

Texte übersetzt und gekürzt von Tina Specht (Vogelgrippe), Svenja Weidenfeld (Andrew Stone), Matthias Petermann (Kovacs) und Christian Frobenius (Bernanke).

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