Wirtschaft : Der Internationale Währungsfonds braucht radikale Reformen

Herr Schmieding[geht es bei dem Streit um die Bes]

Holger Schmieding arbeitet in London als Chefökonom für Europa im amerikanischen Investmenthaus Merril Lynch. Mit Ihm sprach Rainer Hank

Herr Schmieding, geht es bei dem Streit um die Besetzung des IWF-Chefpostens nur um Personen oder auch um Strukturen?

Nach gut 50 Jahren bedürfen der IWF und die Weltbank sicher einer Reform. Es geht deshalb wohl auch um Strukturen.

Wie unterscheiden sich die Vorschläge?

In den Vereinigten Staaten drängen einflussreiche Experten auf radikalere Reformen des IWF als Deutschland und Europa.

Die radikalste Reform wäre die Abschaffung des Währungsfonds. Viele Ökonomen plädieren daür. Sie auch?

Nein. Ich bin für Reformen, aber nicht für Abschaffung des IWF. Bei internationalen Währungs- und Finanzkrisen brauchen wir eine Institution, die den Ländern notfalls zu Hilfe eilt (Lender of Last Resort). Ich würde es jedenfalls nicht auf einen Großversuch ankommen lassen, ob die Welt auch ohne den IWF auskommt. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt, dass die Finanzmärkte zumindest kurzfristig fragil sein koennen.

Führt das nicht dazu, dass Staaten, Banken und Investoren ihr Risiko nicht ernst nehmen, weil sie sich in einer Krise darauf verlassen, vom IWF herausgepaukt zu werden?

Das muss nicht so sein und ist auch nicht immer so. Der IWF muss seine Leistungen strikt an strukturelle Bedingungen knüpfen: die Länder, denen der IWF hilft, müssen die Voraussetzungen für einen dauerhaften Aufstieg selbst schaffen. Der Fonds darf nur kurzfristig einspringen. Für längerfristige Entwicklungshilfe ist ohnehin die Weltbank zuständig. Freilich gehört eine Reform der Weltbank auch auf die Tagesordnung.

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