Wirtschaft : Der IWF muß sich öffnen

Die asiatische Wirtschaftskrise rollt unaufhaltsam auf die USA zu.Für Präsident Clinton wird es langsam Zeit, Lösungen anzubieten.Vor acht Tagen traf sich Clinton in Vancouver mit den anderen Mitgliedern des Asian-Pacific-Economic-Cooperation-Forum (Apec).Die drängendste Frage war, wie die Welle von Abwertungen und Pleiten gestoppt werden kann, die gegenwärtig von Südostasien über Südkorea bis Japan schwappt.Auch der Westen blieb nicht unverschont: Der Dow Jones verlor an einem einzigen Tag soviele Punkte wie noch nie.Die Frage kann also nicht sein, ob Clinton etwas tut, sondern was genau er tun sollte. Seine erste Versuchung könnte sein, sich an den Internationalen Währungsfonds (IWF) zu wenden.Ob das richtig ist? Erst kürzlich haben die USA Südkorea auf IWF-Kurs eingeschworen."Wir sind überzeugt, daß der IWF die beste Lösung für die Probleme in Südkorea ist", so Wirtschaftsstaatssekretär Stuart Eizenstat.Bislang hat der IWF 60 Mrd.Dollar an Sonderziehungsrechten für Thailand und Südkorea freigegeben, hat Südkorea Hilfe angeboten und in Pressekonferenzen für Gutwetter gesorgt.Trotzdem ging die Kettenreaktion in Asien weiter.Die südkoreanische Währung ist abgestürzt, das Bankensystem des Landes unter Druck.Die von Unsicherheiten geprägten Märkte warten auf das Rettungspaket des IWF. Schon traditionell gilt der Währungsfonds als eine der verschwiegendsten Behörden.Rund 2300 Angestellte arbeiten in dem beigen Hauptquartier des Fonds in der 19.Straße in Washington.Mitarbeiter des IWF sitzen direkt in den Zentralbanken betroffener Länder oder arbeiten zumindest mit ihnen zusammen.Was die Teams genau tun und worauf sie ihre Entscheidungen stützen, bleibt größtenteils geheim. Was dieser Tage aus den Konklaven des IWF dringt, ist verwirrend.Nehmen wir die wichtige Frage, welchen Wechselkursmechanismus der IWF einem Land empfiehlt.So etwas wollen Investoren wissen.Viel Glück bei der Suche nach den Richtlinien, an denen sich der IWF orientiert.Im Falle von Hongkong empfehlen die Banker die enge Anbindung an den Dollar.Aus irgendwelchen Gründen dagegen favorisiert der IWF frei schwankende Wechselkurse in Südostasien.Wie der Fonds in jedem einzelnen Fall entscheidet, bleibt der Spekulation eines jeden einzelnen überlassen.Werfen sie mit Pfeilen auf Dartbretter? Würfeln sie? Nehmen sie Computer - oder wirft IWF-Direktor Michel Camdessus einfach eine Münze? Ähnliche Geheimnisse umgeben die IWF-Entscheidungsfindung, wenn es darum geht, die Hilfspakete für Länder wie Thailand oder Indonesien zu schnüren.Obwohl es letztlich um das Geld der Steuerzahler geht, läßt der IWF nichts nach außen dringen.Momentan würde es den Weltmärkten beispielsweise helfen, wenn sie etwas über die Rettungsmaßnahmen für Südkorea wüßten.Mehr Transparenz der internen Vorgänge im IWF könnte einige der Debatten klären, wie sie gegenwärtig in der Weltwirtschaft geführt werden.Der Fonds verweist darauf, daß die Märkte zu sensibel auf die IWF-Äußerungen reagieren würden, als daß man sie veröffentlichen könnte.Und doch: Wir sind überzeugt, daß die Märkte mit der Zeit mit den Informationen umgehen könnten.Informationen helfen den Märkten.

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