Wirtschaft : Der IWF wird seinem Auftrag nicht gerecht (Gastkommentar)

Der aus dem "Wall Street Journal" übernommene

Angesichts all der Proteste gegen den Internationalen Währungsfonds (IWF) sollte man einen Moment innehalten und überlegen, ob dieser seinem ursprünglichen Auftrag, nämlich "die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Währungspolitik zu fördern, ein ausgewogenes Wirtschaftswachstums zu unterstützen und die Stabilität der Währungen durch Sicherung geordneter Währungsbeziehungen zu fördern", noch gerecht wird.

Wie der IWF die internationale monetäre Zusammenarbeit zurzeit bewertet, kann in seinem jährlichen Bericht zur Wechselkurspolitik nachgelesen werden. Dort heißt es: "Keine Wechselkurspolitik kann für alle Länder und zu jeder Zeit optimal sein." Es ist kein besonders hilfreicher Vorschlag, dass die Märkte die enorme Unsicherheit, die durch eine willkürliche Annäherung an die Währungsstabilität entsteht, gelassen hinnehmen sollen. Vermutlich ist es aber ein intellektueller Fortschritt gegenüber der De-facto-Politik, die der IWF viele Jahre betrieb und die davon ausging, dass frei schwankende Wechselkurse der neue Goldstandard seien.

Was jede Volkswirtschaft braucht, ist Währungsstabilität. Sie gibt den Sparern und Anlegern das Vertrauen, dass ihr Kapital nicht durch eine Währungsabwertung vernichtet wird. In nur gering wachsenden Volkswirtschaften ist ein fest verankerter Wechselkurs ein einfacher Weg zu Stabilität. Angesichts der Tatsache, dass Welthandel und Investment zum großen Teil in Dollar abgewickelt werden, ist die logische Schlussfolgerung für eine aufstrebende Nation, ihre Währung in einem vernünftigen stabilen Verhältnis zum Dollar zu halten. Das hat der IWF jedoch in Thailand abgelehnt. In seinem jährlichen Gutachten zur Weltwirtschaftslage, dem "World Economic Outlook", beschwert sich der IWF über die "anscheinend bedeutende Fehlorientierung einiger Schlüsselwährungen". Die Zentralbanken können die Währungsparitäten ändern, indem sie die Geldpolitik anpassen. Aber angesichts des steigenden Dollar und des fallenden Euro warnte der führende Wirtschaftsberater des IWF ausdrücklich: "Wir möchten in diesem Stadium nicht, dass sich die amerikanische Geldpolitik lockert und die Politik der Europäischen Zentralbank sich im Bemühen, dies zu korrigieren, verschärft." Statt dessen scheint der IWF die Wechselkurse dadurch stabilisieren zu wollen, dass er das "einseitige Wachstum in den wichtigsten Währungsregionen" bekämpfen will. In seinem Bericht zu Europa heißt es: "Viele Volkswirtschaften in der Eurozone scheinen aufgrund ihrer hohen Steuersätze handlungsunfähig zu sein, die eine negative Auswirkung auf das Investment haben und dadurch das Wachstum behindern."

Der IWF meint, es sei nun höchste Priorität, das Wachstum in den USA zu verlangsamen. Außerdem solle sich der IWF um die Währungsstabilität kümmern. Verzeihung, aber ein noch stabilerer Dollar würde die angeprangerte "bedeutende Fehlorientierung" sicherlich verschlimmern. Wenigstens haben die meisten Volkswirtschaftsstudenten gelernt, dass steigende Zinssätze das Anlageinvestment anregen und so zu einer Erhöhung des Wechselkurses führen. Der IWF scheint dagegen davon auszugehen, dass höhere Zinssätze den Wechselkurs des Dollar gegenüber dem Euro drücken, indem sie das Wachstum in den USA verlangsamen. Wenn man aus dem Kaffeesatz liest, muß man sagen, dass es so ähnlich um die Reform des IWF bestellt ist. Seine Arbeitnehmer werden weiterhin ihre steuerfreien Gehälter genießen und keine wirtschaftliche Einschränkung zu befürchten haben.Der aus dem "Wall Street Journal" übernommene Text wurde übersetzt und gekürzt von Svenja Weidenfeld.

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