Wirtschaft : Der Jahreswechsel wird für die Raketenbauer ein Knaller

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Für die Feuerwerkshersteller ist der bevorstehende Jahreswechsel in jedem Fall ein Knaller. Der Verband der pyrotechnischen Industrie rechnet mit einem Umsatzwachstum gegenüber dem Vorjahr von 17 Prozent auf rund 200 Millionen Mark. Die Hersteller versuchen, das Geschäft mit speziellen Jahr-2000-Sets anzuheizen. Alles dreht sich um die magische Zahl 2000: Farbvulkane lassen die Ziffern minutenlang über dem Bürgersteig erstrahlen, 2000 miteinander verbundene Kracher sorgen für höllischen Lärm, eine Bombenbatterie zaubert die Zahl in prächtigen Farben in den Himmel.

Die deutschen Feuerwerkshersteller zeigen sich voller Fantasie bei der Vermarktung des Millenniums. "Wir hoffen, dass dieses Jahr ein paar Leute mehr als sonst Raketen kaufen", drückt Stefanie Mecherlein von der Comet GmbH die Erwartung der Branche aus. Comet, eine Tochter der Diehl-Gruppe, erwartet ein Umsatzplus von 20 bis 25 Prozent. Das Unternehmen setzt mit Feuerwerksartikeln rund 70 bis 75 Millionen Mark um und gehört damit zu den größten Anbietern im Lande. Der Trend in der Branche geht in diesem Jahr zu komplexen Feuerwerks-Artikeln. Dabei wird durch einmaliges Anzünden eine abgestimmte Kombination mehrerer Feuerwerkskörper ausgelöst. So sollen auch Laien in den Genuss von Vorführungen kommen, wie sie bislang nur bei Großfeuerwerken zu sehen waren. "Wir bieten fast Profi-Effekte", betont Comet-Sprecherin Mecherlein.

Die Weco GmbH, Eitorf, mit 38 Prozent Marktanteil nach eigenen Angaben führend in Deutschland, erwartet ebenfalls eine deutliche Umsatzsteigerung. In den vergangenen Jahren hat die Firma mit ihren Feuerwerken pro Jahr jeweils 100 bis 110 Millionen Mark umgesetzt. Weco bietet unter anderem wegen "zahlreicher Nachfragen" Feuerwerke für Parties an, die bis zu 600 Mark kosten und 18 Minuten leuchten. Aufbau- und Abbrennplan liegen der Packung bei.

Nach Angaben des Bundesamtes für Materialforschung- und prüfung sind in Deutschland derzeit 1600 unterschiedliche Feuerwerkskörper zugelassen. Jedes einzelne Modell wird geprüft, bevor es zum Verkauf zugelassen wird. Feuerwerkskörper, die das Zulassungszeichen des Amtes nicht tragen, dürfen nicht eingeführt werden.

Für Deutsche ist es damit auch nicht erlaubt, sich billig mit Feuerwerkskörpern ohne dieses Prüfzeichen im Ausland einzudecken. Neben dem Feuerwerks-Tourismus nach Polen oder Tschechien bieten inzwischen auch Unternehmen im Internet ihre Ware an - zum Beispiel unter der US-Adresse www.fireworksexpress.com.

Allerdings ist es selbst in den USA nicht gestattet, Raketen und Knaller per Post zu verschicken. Internet-Nutzer müssen dort ihre Bestellung bei Händlern abholen. Stefanie Mecherlein erwartet allerdings, dass der elektronische Feuerwerks-Einkauf auch in Deutschland in Zukunft möglich sein wird. Die deutschen Versicherer sind über die Aufrüstung auf den Bürgersteigen alles andere als glücklich. Die Knallerei könne Schäden von mehr als einer halben Milliarde Mark hinterlassen, schätzt Wolfgang Kaup vom Bundesverband der Deutschen Versicherungskaufleute - deutlich mehr als der Umsatz der Hersteller.

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