Wirtschaft : Der Kampf der Giganten

Zwei neue Möbelhäuser sind geplant – auch eine weitere Ikea-Filiale ist denkbar Die Konkurrenz auf dem Berliner Möbelmarkt wird härter. Hübner will in die Offénsive gehen

Christian van Lessen,Cay Dobberke

Berlin – Auf die Berliner Möbelbranche kommen harte Zeiten zu. „Wir müssen aufpassen“, sagt Achim Türklitz, der Chef von Möbel Hübner. Er spricht von zahlreichen Anbietern, die auf den Markt drängen. Die traditionsreichen Berliner Möbelhäuser wie Hübner oder Krieger (Höffner) müssen sich auf neue Konkurrenz einstellen. In Berlin hoffen beispielsweise die Lutz-Gruppe, Porta oder Möbelix auf das große Geschäft. „Da kommt ein Kampf auf uns zu“, sagt Türklitz, der Geschäftsführende Gesellschafter von Möbel Hübner. „Aber wir werden den Kampf bestehen.“ Sein Haus wolle bei der Neugestaltung des Berliner Möbelmarktes in die Marketing-Offensive gehen und eine Vorreiterrolle einnehmen.

Wie ein Bollwerk der altbekannten Branchengrößen wirkt die Genthiner Straße in Tiergarten. Sie ist noch immer, und das seit Jahrzehnten, „die“ Berliner Möbelmeile. Krieger zur einen, Hübner mit seinem Hochhaus zur anderen Seite. Das Hochhaus – untypisch für den Möbelhandel – wurde 1964 gebaut, weil eine Hochstraße geplant war und das Haus nicht übersehen werden sollte. Hübner will den Standort attraktiver machen, Höffner/Krieger auch andernorts investieren. Türklitz nennt die Expansionswünsche der auswärtigen und heimischen Konkurrenz „völlig übertrieben“, denn die Kaufkraft sei im Vergleich zu anderen Weltstädten „abenteuerlich niedrig“. Die Händler könnten auch nicht, wie die in anderen Großstädten, auf das Umland hoffen. Denn auch dort sei die Kaufkraft gering. Im harten Wettbewerb würden Preispolitik, Sortiment und Standort zu entscheidenden Faktoren. Man wolle sich den Veränderungen mit Qualität und Service stellen, nicht aber an Rabattschlachten teilnehmen.

Hübner werde Kunden „ein noch größeres Einkaufserlebnis bieten und Preisgünstigkeit unter Beweis stellen“. Im Haus sollen Studios eingerichtet werden, der Abholmarkt soll „frischer“ wirken. Die Firma, die 2008 ihr 100-jähriges Bestehen feiert, möchte auch ihr Image verjüngen, frischer wirken. Das Markenzeichen des grüßenden Hutes bleibe erhalten, müsse nicht unbedingt konservativ wirken, auch Popstars trügen Hut, sagt der neue Marketing-Leiter Heiko Bartels. Er bezeichnet das Möbelhaus als „schlafenden Riesen“, dessen Möglichkeiten noch gar nicht ausgeschöpft seien.

Trotz der schlechten Konjunktur – die Firma Tegeler blieb vor einem Jahr auf der Strecke – verzeichnet Hübner im zweiten Jahr in Folge steigende Umsätze. Für 2005 wird nochmals eine Steigerung um fünf Prozent erwartet. Im vergangenen Jahr wurden mit 300 Beschäftigten auf über 25 000 Quadratmetern Ausstellungsfläche 43 Millionen Euro Umsatz erzielt. Roland, die Design-Abteilung von Möbel Hübner, verzeichnete ein Umsatzplus von 22 Prozent.

Derzeit sind zwei große neue Möbelhäuser in Berlin geplant, und eine weitere Ikea-Ansiedlung ist nicht ausgeschlossen. Möbel Höffner will im Sommer mit dem Bau einer Niederlassung auf der ehemaligen Radrennbahn Schöneberg am Sachsendamm beginnen. Derzeit läuft noch die Bürgerbeteiligung mit der öffentlichen Auslegung der Pläne, die Baugenehmigung erwartet Höffner-Chef Kurt Krieger bis Juni. Vorgesehen sind 40 000 Quadratmeter Verkaufsfläche und ein 30 000 Quadratmeter großes Lager. Um das Gelände der Radrennbahn war erbittert gestritten worden. Ursprünglich hatte das Bezirksamt keinerlei Bebauung geplant. Die Möbelhandelskette Lutz (Möbel Neubert) mit Stammsitz in Österreich konnte aber den Berliner Liegenschaftsfonds und später den Bezirk davon überzeugen, dass die Anlage ein geeigneter Standort sei – und bekam nach einer Ausschreibung den Zuschlag. Doch dann intervenierte Kurt Krieger: Er bezweifelte in Schreiben an den Bezirk und den Senat die Rechtmäßigkeit des Auswahlverfahrens und legte ein besseres Angebot vor. Letztlich bekam Krieger im Sommer 2004 das Grundstück zugesprochen – sehr zum Verdruss des Konkurrenten, der sich „an der Nase herumgeführt“ fühlte. An anderer Stelle aber „geht der Kampf der Giganten weiter“, wie es ein für die Lutz-Gruppe tätiges Planungsbüro ausdrückt. Denn die Bahn-Immobiliengesellschaft Vivico verkaufte ein 52 000 Quadratmeter großes Areal auf dem ehemaligen Güterbahnhof Halensee an die Österreicher. Etwa 100 Millionen Euro sollen in die erste Berliner Niederlassung von Möbel Neubert investiert werden. Die Lutz-Gruppe ist auch an weiteren Standorten in der Stadt interessiert und kündigte an, dass mittelfristig bis zu 1100 Arbeitsplätze entstehen könnten.

Baurechtlich ist das Projekt in Halensee allerdings noch nicht gesichert. CDU-Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler vom Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf hält wegen der Baumasse, die sich in die Umgebung auch einfügen müsse, ein Bebauungsplanverfahren für nötig. Dieses könne mehr als ein Jahr lang dauern. Es müsse auch beachtet werden, dass sich auf dem Bahngelände zahlreiche kleine Gewerbebetriebe mit rund 200 Arbeitsplätzen angesiedelt hätten.

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