Wirtschaft : Der Kampf um die Arbeitsplätze hat begonnen

Verdi und Karstadt-Betriebsräte einigen sich auf Verhandlungslinie/Konzernchef appelliert an Mitarbeiter und räumt Fehler ein

Dagmar Rosenfeld,Alfons Frese

Berlin - Beim Kaufhauskonzern Karstadt-Quelle hat der Kampf um das Sanierungskonzept des Vorstands und damit um die Arbeitsplätze begonnen. Am Montag trafen sich rund 120 Vertreter des Betriebsrats und der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi in Kassel, um sich auf eine Verhandlungslinie zu verständigen. Details sollen am Dienstag vorgestellt werden, ein erster Verhandlungstermin mit der Karstadt-Spitze ist für die kommende Woche vorgesehen. „Es wird eine Auseinandersetzung geben, die ihresgleichen sucht“, sagte Verdi-Sprecherin Cornelia Haß. Allerdings wollte weder Haß noch der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats, Wolfgang Pokriefke, von Streik sprechen. „Wir drohen nicht mit Streik, wir kennen den Ernst der Lage“, sagte Pokriefke in Kassel. Der Betriebsrat wolle „einen Weg finden, wie wir uns mit dem Unternehmen einigen können“,

Karstadt-Quelle-Chef Christoph Achenbach rief derweil die Mitarbeiter dazu auf, seinen Kurs mitzutragen. „Das Unternehmen kann nur mit Unterstützung der Mitarbeiter aus der Krise geführt werden“, sagte er am Sonntagabend in der ARD. „Wir können nicht investieren, weil wir klamm sind. Wir brauchen aber mehr Service, mehr Beratung, Qualität auf der Fläche.“ Daher sei das Management darauf angewiesen, dass die Mitarbeiter „bereit sind, mehr zu arbeiten für gleiches Geld“. Das für Karstadt zuständige Verdi-Vorstandsmitglied Franziska Wiethold schließt das allerdings aus. Verdi-Sprecherin Haß sagte, die Arbeitnehmervertreter in Kassel seien sich einig gewesen in der Ablehnung längerer Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich.

Achenbach räumte in der ARD-Sendung „Sabine Christiansen“ ein, dass das Management Fehler gemacht habe. So seien die schlechten Zahlen in den Warenhäusern „schon länger zu sehen gewesen“. Er warf seinen Vorgängern vor, dass sie „einfach nicht den Mut hatten zu reagieren, weil der Druck von außen auch extrem groß ist, Warenhäuser da zu lassen, wo sie heute sind, sich nicht von den Flächen zu trennen. Da hat man einfach Angst gehabt, die harte Aktion zu fahren.“ Der Direktor der Karstadt Warenhaus AG, Holger Grabmeister, kritisierte die bisherige Abwehrhaltung der Gewerkschaft. „Sich allem zu verwehren ist die falsche Strategie“, sagte Grabmeister dem Tagesspiegel. „Verdi kennt die Unternehmenszahlen ganz genau und weiß, wo wir stehen“, so Grabmeister. Nur wenn es einen Pakt zwischen Banken, Aktionären, Unternehmensführung und Mitarbeitern gebe, habe die Sanierung eine Chance.

Laut Verdi könnten bis zu 20000 Arbeitsplätze von Sanierungsmaßnahmen betroffen sein. Grabmeister nannte diese Zahl „unseriös“. Es sei nicht korrekt, alle Arbeitsplätze in den zum Verkauf stehenden Fachgeschäften wie Sinn-Leffers und Wehmeyer als bedroht zu betrachten. „Klar ist, dass in der Verwaltung deutlich Personal reduziert wird und auch im Management abgebaut wird“, sagte er. Zudem stellte Grabmeister klar, dass im Rahmen des Sanierungsplans keine der Karstadtfilialen geschlossen werde – auch nicht eine der 77 Filialen, die eine Verkaufsfläche unter 8000 Quadratmetern haben. Ein Großteil dieser Häuser arbeite profitabel. Allerdings mache der Umsatz dieser 77 Filialen gerade einmal 20 Prozent des Gesamtumsatzes von Karstadt aus. „Daher wollen wir diese Häuser verkaufen oder einen Partner hineinholen“, sagte Grabmeister.

Karstadt-Quelle stellte unterdessen klar, dass die Beteiligung am Deutschen Sportfernsehen (DSF) nicht verkauft werden soll. „Wir haben mit Erstaunen die Erklärung von EM.TV vernommen, dass man sich bereit erklärt, unsere Anteile zu übernehmen – umso mehr, als darüber nie zuvor gesprochen wurde“, sagte Konzern-Sprecher Jörg Howe.

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