Wirtschaft : Der Kanzler kennt ihn schon

An diesem Mittwoch tritt der neue Vodafone-Chef Arun Sarin an

Corinna Visser

Berlin. Seinen Aktionären wird sich der neue Chef von Vodafone erst an diesem Mittwoch in London vorstellen. Seinen Antrittsbesuch bei Bundeskanzler Gerhard Schröder in Berlin hat Arun Sarin dagegen bereits hinter sich. „Ich war sehr beeindruckt, wie gut sich der Kanzler auskennt“, sagte Sarin nach dem Treffen im Mai. Sarin hat auch allen Grund, für gute Stimmung in der deutschen Politik zu sorgen. Denn der weltgrößte Mobilfunkkonzern mit 122 Millionen Nutzern hat in Deutschland so viele Kunden wie sonst in keinem anderen Land der Welt. Ende Juni waren es mehr als 23 Millionen. Bereits im Dezember vergangenen Jahres stellte Chris Gent, der das Unternehmen fast 20 Jahre führte, Arun Sarin als seinen Nachfolger vor.

Sarin wurde 1954 in Indien geboren, besitzt aber seit langem einen US- Pass. Nach einem Ingenieurstudium in seiner Heimat setzte Sarin 1975 seine Ausbildung an der amerikanischen Elitehochschule UCLA in Berkeley fort. 1984 startete er in Kalifornien seine Karriere in der Telekommunikation. Aber auch in Deutschland kennt sich Sarin bestens aus. Sein schönstes Weihnachtsgeschenk sei es gewesen, als D2 im Dezember 1989 die erste private Mobilfunklizenz in Deutschland erwarb, sagt Sarin. Er war damals Chef des US-Mobilfunkbetreibers Airtouch, der 35 Prozent an dem D2-Konsortium um Mannesmann hielt.

Später hat er die Geschäfte von Mannesmann als Mitglied des D2-Aufsichtsrats gut im Auge gehabt. Obwohl er sich mit Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser gut verstanden haben soll, in einer wichtigen Sache waren sie unterschiedlicher Meinung: Während Sarin die Übernahme Mannesmanns durch Vodafone vorantrieb, wehrte sich Esser heftig dagegen. Anfang 2000 kapitulierte Esser.

Zuvor war Sarin bereits an einer anderen spektakulären Übernahmeschlacht beteiligt: Anfang 1999 hatte die britische Vodafone den US-Konkurrenten Airtouch übernommen. Doch als der nun scheidende Vodafone-Chef Gent Sarin Mitte 2000 keinen adäquaten Führungsjob im Unternehmen mehr anbieten konnte, verließ Sarin Vodafone. Nach einem kurzen Zwischenspiel bei einer Internetfirma und zuletzt bei der Investmentfirma Accel-KKR Telecom, kehrt er nun zurück – ganz an die Spitze.

Die Zeit der großen Übernahmen ist für Vodafone vorbei. Sarin muss im eigenen Haus für Ordnung sorgen – auch wenn Vodafone keinen so erdrückenden Schuldenberg vor sich herschiebt wie andere Mobilfunkbetreiber. Der neue Chef muss die Mobilfunktechnik UMTS zum Laufen bringen und die Umsätze im Datenverkehr erhöhen, denn mit Sprache allein ist nicht mehr viel Wachstum zu erwarten. Der schmale Mann mit dem grauen Haar gehört zu den Managern, deren Augen zu leuchten beginnen, die ins Schwärmen geraten, wenn sie erzählen, was im Mobilfunk mit UMTS künftig so alles möglich sein wird. Alles, was die Fantasie der Menschen hervorbringe, sagt Sarin. Und: Er glaube fest an den Erfolg. Wann aber Vodafone in Deutschland mit UMTS starten wird, ist noch offen.

Viele erwarten, dass Sarin sich auch um das US-Geschäft kümmern wird. Dort hält Vodafone am Betreiber Verizon Wireless 45 Prozent. Ganz im Gegensatz zur sonstigen Strategie, möglichst die Kontrolle über einen Anbieter zu besitzen. Schon gibt es Spekulationen, Sarin könne versuchen, Verizon Wireless ganz zu übernehmen – oder abzustoßen, um einen anderen US-Mobilfunker zu kaufen.

Vodafone-Präsident Lord MacLaurin nennt Sarin einen „extrem guten strategischen Denker“. Ein guter Rechner ist er sicher ebenfalls: Bereits sein Vorgänger Gent war der bestverdienendste Manager Großbritanniens. Auch Sarins Entlohnung wird dank Aktienoptionen üppig ausfallen, auch wenn das Grundgehalt mit 1,1 Millionen Pfund (1,5 Millionen Euro) nicht übertrieben klingt. Schon seinen zwischenzeitlichen Ausstieg aus dem Vodafone-Management hatte sich Sarin gut bezahlen lassen. Die Briten nennen solche Manager „fat cats“ – fette Katzen.

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