Wirtschaft : Der Kapitalmarkt wäre die Notlösung

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Der Börsengang der Landesbank ist so etwas wie Thilo Sarrazins Ass im Ärmel – ein Ass, das im Zweifelsfall nicht sticht. Der Finanzsenator behält sich vor, den Landesanteil von 81 Prozent an die Börse zu bringen – dorthin, wo sieben Prozent des Bankkapitals bereits frei gehandelt werden.

Nach dem aktuellen Börsenkurs vom Freitag wäre der Landesanteil knapp 5,4 Milliarden Euro wert – doch diese Rechnung geht nicht auf. Denn der Kurs ist seit Monaten heftigen Spekulationen ausgesetzt, Hedgefonds treiben ihn in die Höhe. Sie folgen einer simplen Überlegung: Wenn der Anteil des Landes Berlin an einen einzelnen Investor verkauft wird, muss dieser den übrigen Aktionären ein Übernahmeangebot machen, das in der Regel über dem Preis liegt, das der Investor selbst pro Aktie gezahlt hat. Die Spekulanten an der Börse setzen also auf einen hohen Verkaufspreis und eine noch höhere Abfindung. Und sie könnten recht behalten.

Denn ein Verkauf über die Börse wäre für Sarrazin nur eine Notlösung. „Dazu wird es nur kommen, wenn alle strategischen Investoren abspringen“, sagt Dirk Becker von Kepler Equities, der seinen Kunden die Spekulation auf die Abfindung empfohlen hat. Er geht davon aus, dass das Land über einen Börsengang höchstens vier Milliarden Euro erlösen kann – bei einem Börsengang aus Not sogar noch deutlich weniger.

Doch es gibt auch ein Argument für den Börsengang: Er soll die bevorzugte Verkaufsvariante von Landesbank-Chef Hans-Jörg Vetter sein. Ohne einen Mehrheitseigentümer könnte Vetter seinen Job und seine Machtposition im Konzern behalten. Auch die Gewerkschaft Verdi liebäugelt mit einer Platzierung an der Börse.

Selbst wenn die Bank an die Börse gehen sollte: Eine LBB-Volksaktie wird es wohl nicht geben. Wahrscheinlich würden größere Aktienpakete an sogenannte Ankerinvestoren verkauft. Beim Sparkassenverband bereitet man sich sicherheitshalber schon mal auf diese Variante vor. stek

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