Wirtschaft : Der Kassenkampf

Pflichtversicherte können jetzt billige Zusatzpolicen abschließen / Aber: Wer seine Krankenkasse wechselt, verliert den privaten Sondertarif

Heike Jahberg

Gesundheitsministerin Ulla Schmidt hat den gesetzlichen Krankenkassen zum Jahresanfang ein großes Geschenk gemacht. Im Zuge der Gesundheitsreform haben diese zahlreiche Freiheiten gewonnen: Mit Bonusprogrammen dürfen sie gesundheitsbewusste Mitglieder für ihre gesunde Lebensweise belohnen. Mit Beitragsrückerstattungen können sie gut verdienende, freiwillig Versicherte, die selten zum Arzt gehen oder einen Teil der Kosten selber tragen, von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung locken. Und auch mit neuen Leistungen dürfen die Gesetzlichen jetzt um neue Kunden werben: Alle großen Kassen bieten seit Januar in Kooperation mit ausgewählten privaten Krankenversicherern private Zusatzversicherungen an. Das gilt auch für die Allgemeinen Ortskrankenkassen im Osten. Im Westen starten viele AOKen dagegen erst im April mit den Zusatztarifen.

Das Angebot ist groß: Ob Kostenersatz für Brillen oder Implantate, die Übernahme des Chefarzthonorars oder Versicherungsschutz im Ausland – jede Kasse hat ihre eigenen Zusatzangebote. Einige bieten ihren Kunden reine Paketlösungen, wie die Techniker Krankenkasse, andere Kassen wie die Barmer arbeiten mit Einzelbausteinen. Untereinander vergleichbar sind die Zusatzangebote kaum, da die Pakete von Kasse zu Kasse individuell geschnürt werden und auch die Einzelbausteine unterschiedliche Leistungen umfassen. Einen Überblick über das Spektrum finden Sie in der nebenstehenden Tabelle.

Obwohl es mit etwas Mühe verbunden ist, sich zu informieren, lohnt der Aufwand. Da die gesetzlichen Kassen die privaten Zusatzpolicen als wichtiges Argument ansehen, Kunden an sich zu binden, haben sie mit ihren Kooperationspartnern Sonderkonditionen verabredet. Die Preisersparnis verglichen mit den herkömmlichen Zusatzpolicen des privaten Partners liegt zwischen vier Prozent (Barmer) und bis zu zehn Prozent (Kaufmännische Krankenkasse KKH).

Auch ohne Altersgrenze

Das heißt aber auch: „Wer die Kasse wechselt, profitiert nicht mehr von unseren speziellen Tarifen“, sagt der Sprecher der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK), Jörg Bodanowitz. Bei der Konkurrenz ist das nicht anders. Auf Wunsch kann man zwar den privaten Zusatztarif weiterführen, aber dann als ganz normaler Kunde der privaten Versicherung zu deren üblichen Bedingungen und teureren Beiträgen. Im Falle der DAK wäre das dann die Hanse Merkur.

Die Hanse Merkur und ihre Kooperationspartner auf Krankenkassenseite, die DAK, die Hanseatische Krankenkasse (HEK) und die Hamburg-Münchener Krankenkasse, haben den Markt für Zusatzversicherungen kürzlich gehörig durcheinander gewirbelt. Als Erste haben sie einen speziellen Zusatztarif für Ältere entwickelt. Während bislang alle Zusatzpolicen eine Höchstaltersbegrenzung für Neukunden zwischen 60 und 70 Jahren enthalten, gibt es beim neuen Hanse-Merkur-Tarif keine Altersbegrenzung. Die Wettbewerber sind jetzt unter Zugzwang. Auch die Barmer will bald einen eigenständigen Zusatztarif für Senioren ohne Höchstalter auflegen, Techniker und KKH sind in Gesprächen mit ihren Kooperationspartnern. Das Ergebnis ist jedoch offen: „Zusatzpolicen sind im hohen Alter nicht mehr lukrativ“, sagt KKH-Sprecher Jens Herzog: Entweder müssten die Jüngeren für die Älteren mitzahlen, oder die Prämien für die Senioren wären zu hoch. Oder die Versicherungsinhalte wären nicht attraktiv.

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