Wirtschaft : „Der Kauf der Berliner Bank ist ein Meilenstein“

Rainer Neske, Privatkundenchef der Deutschen Bank, über die Pläne für die Neuerwerbung und über zufriedene Kunden

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Herr Neske, woran werden Berliner- Bank-Kunden künftig merken, dass sie Kunde der Deutschen Bank sind?

Die Kunden der Berliner Bank bleiben auch weiterhin Kunden ihrer Berliner Bank. Sie erhalten den gewohnten Service und werden von ihren vertrauten Kundenberatern betreut. An Marke, Standorten und Betreuern ändert sich also nichts. Neu werden einige Produkte der Deutschen Bank sein.

Macht es Sinn, sich mit zwei Marken an den Kunden zu wenden?

Es macht eine Menge Sinn, weil die Marke der Berliner Bank für viele Kunden attraktiv ist. Die Berliner Bank hat eine traditionsreiche und gut eingeführte Marke. Unter zwei Marken können wir Angebote differenzieren und unterschiedliche Kundengruppen erreichen.

Wie unterscheiden sich denn die Kunden von Deutscher und Berliner Bank?

Die Berliner Bank steht für eine starke traditionsreiche lokale Marke, die Deutsche Bank steht für weltweites Geschäft und hohe Professionalität in einem überregionalen Zusammenhang. Kunden suchen sich ihre Bank zwar häufig nach der Marke aus. Bei der Wahl einer Bank ist die persönliche Beziehung, die man zu seinem Berater aufbaut, aber mindestens genauso wichtig. Deshalb hat Kontinuität für uns die höchste Priorität.

Berlin ist ein strukturschwacher Standort. Die Einkommenssituation ist bei weitem nicht so gut wie etwa in München, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Kein guter Platz für Bankgeschäfte.

Natürlich hat Berlin seine ganz besonderen Herausforderungen und Schwierigkeiten. Aber Berlin ist auch die Bundeshauptstadt und ein hochattraktiver Standort. Wir sind als Deutsche Bank in Berlin erfolgreich und haben im Privatkundengeschäft hier die mit Abstand stärkste Region in Deutschland. Jetzt sind wir der drittgrößte Spieler in diesem Markt. Das ist sehr wichtig für uns.

Sind Sie mit diesem dritten Platz schon zufrieden, oder wollen Sie aufrücken?

Nicht die Platzierung ist für uns ein Ziel, wir wollen zufriedene Kunden und erfolgreich unterwegs sein. Ich habe Herrn Vetter schon angekündigt, dass wir mit der Berliner Bank im freundschaftlichen Wettbewerb zur Berliner Sparkasse stehen werden. Sie können sicher sein, dass wir unsere Ambitionen haben.

Wem wollen Sie Kunden abjagen?

Abjagen ist ein Begriff, den ich nicht mag. Kunden sind in der Regel sehr loyal und sehr treu zu ihren Banken. In der Zahl unserer Kunden wollen wir insgesamt wachsen. Aber auch mit unseren bestehenden Kunden: Ein Student, der zunächst nur den Zahlungsverkehr oder vielleicht einen Studienkredit nachfragt, wird weitere Bedürfnisse haben, wenn er später ins Berufsleben einsteigt und eine Familie gründet. Dann braucht er vielleicht eine Baufinanzierung, eine Altersvorsorge oder eine Vermögensanlage.

Der Privatkunde stand bei der Deutschen Bank eine Weile nicht im Mittelpunkt. Ist der Kauf der Berliner Bank ein Zeichen, dass Sie ihn wieder ins Auge fassen?

Wir sind im Privatkundengeschäft die mit Abstand profitabelste Bank, und wir wachsen. Der Kauf der Berliner Bank ist kein Wendepunkt, sondern ein Meilenstein auf unserem Wachstumspfad. Wir haben im vergangenen Jahr ein Signal gesetzt für das Privatkundengeschäft in Deutschland, indem wir unsere Kundenberatung mit 750 neuen Mitarbeitern verstärkt haben. Keine andere Bank in Deutschland setzt so auf das Privatkundengeschäft.

Wie wollen Sie es bei der Berliner Bank schaffen, den Gewinn bis 2010 zu verdreifachen, ohne Mitarbeiter zu entlassen?

Schauen Sie sich an, wie wir unseren Gewinn im Privatkundengeschäft der Deutschen Bank gesteigert haben. Wir haben aus einem Geschäft, das kaum profitabel war, einen Gewinn von mehr als einer Milliarde Euro gemacht. Das ist noch ein viel gewaltigerer Sprung. Aber das Prinzip ist dasselbe: Wir geben der Mannschaft die nötige Ruhe, damit sie sich auf das Kundengeschäft konzentrieren kann. Da ist noch eine Menge Potenzial. Wir werden bei der Berliner Bank das Produktspektrum erweitern, beispielsweise mit unserer Fondsgesellschaft DWS.

Die Berliner Bank hat derzeit rund 1200 Mitarbeiter. Wie viele werden es in fünf Jahren sein?

Hoffentlich mehr. Aber das werden wir am Erfolg der Bank ermessen. Unser Privatkundengeschäft in vielen anderen Regionen Deutschlands ist in der letzten Zeit gewachsen und parallel dazu auch die Zahl der Mitarbeiter. Das ist auch ein klarer Anspruch, den ich an die Kollegen der Berliner Bank habe, dass sie ihr Geschäft erfolgreich und profitabel nach vorne bringen und neue Kunden gewinnen. Dann können wir auch in den Ausbau des Geschäfts investieren.

Mit der Entscheidung für die Berliner Bank haben Sie sich gegen eine Bewerbung um die Bankgesellschaft samt Sparkasse entschieden. Warum?

Wir sind der Meinung, dass die Berliner Bank am besten zu uns passt. Bei dem Verkauf der Bankgesellschaft im kommenden Jahr wird es ja nicht nur um die Berliner Sparkasse gehen, sondern auch um die Landesbank. Wir haben uns aber entschieden, dass gerade das Privatkundengeschäft der Berliner Bank für uns am attraktivsten ist.

Am Preis gab es Kritik. Einige Analysten halten ihn für zu hoch.

Der Preis ist im internationalen Vergleich sicher nicht zu hoch. Im Übrigen bin ich erstaunt, dass immer nur dann applaudiert wird, wenn bei einer Übernahme hohe Kostensynergien zu erzielen sind. Das bedeutet dann meist Arbeitsplatzabbau. Bei der Berliner Bank ist das nicht so. Hier sehen wir vor allem die Ertragssynergien, weniger die möglichen Kosteneinsparungen. Das heißt, wir erwarten jede Menge Geschäftspotenzial für die Zukunft und sind deshalb sehr überzeugt, dass sich der Preis rechnet.

Die Berliner Bank akquiriert auch Kreditkartenkunden außerhalb Berlins und auch bei Kunden, die kein Konto bei ihr haben. Soll das weitergehen?

Das soll ganz sicher weitergehen. Das habe ich den Mitarbeitern der Berliner Bank auch schon gesagt. Es gibt bei uns kein Regionalprinzip. Ich war absolut überrascht, dass Kunden der Berliner Bank nur in dieser Region kostenlos Bargeld an Geldautomaten abheben können. Wir wollen so schnell wie möglich dafür sorgen, dass alle Kunden der Berliner Bank überall im Bundesgebiet an den Geldautomaten der Deutschen Bank kostenfrei Bargeld abheben können.

Wie wird die Berliner Bank in Zukunft geführt?

Die Berliner Bank wird einen eigenen Vorstand haben. Ich selbst werde den Aufsichtsrat der Bank leiten. Die Berliner Bank wird die gleiche Eigenständigkeit haben wie unsere anderen regionalen Einheiten.

Das Gespräch führten Moritz Döbler und Stefan Kaiser.

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