Wirtschaft : Der Konzern erwägt auf längere Sicht eine Trennung von der defizitäten Bahntechniktochter

Daimler-Chrysler hat Berichte über einen kurz bevorstehenden Verkauf seiner defizitäten Bahntechniktochter Adtranz und entsprechende Gespräche mit dem kanadischen Konzern Bombardier zurückgewiesen. Über solche Gespräche sei im Hause nichts bekannt, sagte ein Adtranz-Sprecher am Donnerstag auf Anfrage. In Stuttgart, bei der Muttergesellschaft DaimlerChrysler AG, hieß es unterdessen, hinsichtlich "künftiger strategischer Optionen gebe wir keinen weiteren Kommentar ab". Wie üblich aber könnten Alternativen nicht völlig ausgeschlossen werden.

Erst kürzlich hatte es geheißen, die Bombardier-Gruppe - zu der in Deutschland die Deutsche Waggonbau (DWA) und Talbot gehören - spreche mit Siemens über eine mögliche Kooperation im Verkehrstechnikbereich.

DaimlerChrysler teilte am Donnerstag mit, dass es für den Konzern vorrangig sei, Adtranz rasch wieder in die Gewinnzone zu führen. Es werde erwartet, dass durch das Restrukturierungsprogramm zügig die Gewinnschwelle zu erreichen sei, hieß es. "Der Turnaround steht sowohl für Adtranz als auch für DaimlerChrysler im Vordergrund."

Nach offiziell nicht bestätigten Berichten wird das seit Jahresbeginn vollständig zu Daimler-Chrysler gehörende Unternehmen auch 1999 mit einem hohen dreistelligen Millionen-Verlust abschließen. Der operative Verlust habe sich zwar verringert, die hohen Restrukturierungskosten wirkten sich aber belastend aus. 1998 hatte Adtranz einen Verlust von 763 Millionen Mark bei einem Umsatz von 6,5 Milliarden Mark erwirtschaftet.

Das Unternehmen schrieb auch im dritten Quartal 1999 rote Zahlen. Dies wird sich nach Erwartungen des Konzerns im restlichen Jahr nicht ändern, hieß es kürzlich. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf 845 Millionen Euro. Im Frühjahr hatte Daimler-Chrysler Chef Jürgen Schrempp seine Prognose bekräftigt, dass Adtranz innerhalb von zwei Jahren in die Gewinnzone gebracht werde.

Adtranz ist - gemessen am Umsatz - inzwischen die Nummer 2 auf dem Weltmarkt nach der französischen Alstom. Für Deutschland wurde bereits der Abbau von 1400 Arbeitsplätzen auf 6000 Stellen im Jahr 2000 beschlossen. Inzwischen wird dem Vernehmen nach auch an einem Restrukturierungsprogramm für die ausländischen Standorte gearbeitet. Weltweit beschäftigt der Adtranz-Konzern 24 000 Mitarbeiter.

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