Wirtschaft : Der Kosovo-Krieg bringt die Lufthansa ins Trudeln

KÖLN (rtr). Die Auswirkungen des Kosovo-Kriegs und der harte Wettbewerb werden das Ergebnis der Deutsche Lufthansa AG in diesem Jahr belasten. "Wenn sich die Situation nicht kurzfristig entscheidend bessert, müssen wir unsere Ergebniserwartungen nach unten korrigieren", sagte Firmenchef Jürgen Weber am Mittwoch auf der Hauptversammlung in Köln. Die Monate April und Mai seien nicht so verlaufen wie erwartet.

Für die veränderte Situation fühle sich die Fluglinie aber besser gerüstet als die meisten Konkurrenten. Bereits im Jahr 2000 erwartet man wieder steigende Gewinne. Allerdings droht der Aktie Ungemach: Weber bestätigte, daß der Verbleib im Euro-Stoxx gefährdet ist. Am Mittwoch notierte der Wert erneut schwächer. Daran änderten auch die Aussichten der Fluggesellschaft auf einen erneuten Milliardengewinn nichts. Nach einem Rekordgewinn von knapp 2,5 Mrd. DM im vergangenen Jahr rechnet die Lufthansa in diesem Jahr mit einem Ergebnis vor Steuern von zwei Mrd. DM.

Weber sagte weiter, im zweiten Quartal hätten sich die Rahmenbedingungen leider weiter verschlechtert. Insbesondere auf den Nordatlantik-Routen habe sich der Wettbewerb zum Teil dramatisch verschärft. Eine Reihe von Fluggesellschaften hätten ihre Kapazitäten aus dem asiatisch-pazifischen Raum dorthin verlagert. Erhebliche Belastungen verursache weiterhin der Kosovo-Konflikt. "Wenn täglich rund 300 Flüge unserer Konzernunternehmen aus oder in Richtung des östlichen Mittelmeerraums lange Umwege fliegen müssen, so summiert sich das schnell auf vier bis fünf Flugzeuge, deren Kapazität dabei gebunden wird", sagte der Lufthansa-Chef. Konkrete Angaben über die Höhe der Belastungen durch den Kosovo-Krieg oder zur Entwicklung des Ergebnisses bis Ende Mai machte Weber aber nicht.

Die Engpässe der europäischen Flugsicherung trieben die Kosten zusätzlich in die Höhe, fügte Weber hinzu. Er forderte die Staaten der Europäischen Union (EU) auf, endlich einheitliche Standards in der Luftverkehrskontrolle zu verabschieden. Außerdem müßten die Unterschiede in den Wettbewerbsbedingungen in den beiden wichtigsten liberalisierten Luftverkehrsmärkten der Welt, in Europa und den USA, abgeschafft werden.

Bereits im Jahr 2000 rechnet die Lufthansa nach Webers Worten wieder mit einem höheren Gewinn. "Das Jahr 2000 wird das Reisejahr schlechthin werden." Davon werde der Luftverkehr profitieren und insbesondere die Lufthansa. Eine wichtige Rolle werde dabei die Expo 2000 in Hannover spielen. Weber kündigte an, daß die Lufthansa künftig verstärkt um die Beseitigung der Unzulänglichkeiten der Infrastruktur in der Luft und am Boden kämpfen werde. "Flughäfen und ihre Regionen stehen automatisch im Standortwettbewerb. Denn der Verkehr fließt dorthin, wo die Rahmenbedingungen stimmen." Es sei Aufgabe der Politik, diese Bedingungen zu verbessern und in sie zu investieren. "Dies findet derzeit bei unseren Nachbarn in Amsterdam, Brüssel und Paris statt", sagte Weber.

Der Lufthansa-Chef begrüßte die eindeutige Zusage Hessens zum Ausbau des Frankfurter Flughafens. Gleichzeitig kritisierte er die zur Finanzierung des künftigen Berliner Großflughafens zum 1. November geplante Flughafengebühr von 16,80 DM pro Gast und 100 Kilogramm Fracht. Durch eine derartige Gebühr werde der Standort Berlin teurer: "Wir aber wollen einen wettbewerbsfähigen Flughafen in Berlin".

Für den Jahrtausendwechsel fühlt sich die Fluggesellschaft gut gerüstet. Bei der Lufthansa werde es kein "Jahr-2000-Problem" geben, sagte Weber. Alle Flieger könnten sicher starten und landen. Die Buchungscomputer nähmen bereits jetzt problemlos Reservierungen für das kommende Jahr entgegen. Beim Datumswechsel von 1999 auf 2000 erwarten Computerexperten Probleme besonders bei Rechnern mit älteren Prozessoren. Der Vorstand der Lufthansa will sich von den Aktionären eine Genehmigung zur Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft um ingesamt bis zu 125 Mill. Euro einholen. Die Ermächtigung soll bis zum 15. Juni 2004 gelten. Weber sagte, es handele sich hierbei um Vorratsbeschlüsse. Konkrete Pläne für einen Einsatz dieser Mittel gebe es derzeit nicht, betonte er.

Der Lufthansa-Chef bekräftigte das Interesse seines Unternehmens an einer Beteiligung an Thai Airways und an der South African Airways (SAA). Beide Unternehmen sind Privatisierungskandidaten, bei denen die jeweiligen Regierungen fremde Fluggesellschaften für eine Anteilsübernahme suchen. Ansonsten wolle die Lufthansa die Vorteile von Partnerschaften wie im Rahmen der Star Alliance nutzen, ohne die Nachteile einer echten Verschmelzung in Kauf nehmen zu müssen.

Die Lufthansa hatte 1998 bei einem Konzernumsatz von rund 22,7 Mrd. DM einen Jahresüberschuß von 1,43 Mrd. DM erzielt. Die Aktionäre sollen eine Dividende von 1,10 DM je Aktie erhalten, 20 Pfennig mehr als im Vorjahr.

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