Wirtschaft : Der Kurszettel wird länger und bunter

MICHAEL BALK

Im letzten Jahr hat die deutsche Aktie für die private Vermögensbildung an Bedeutung gewonnenMICHAEL BALK

FRANKFURT/MAIN (dpa).Die Börsenaspiranten stehen Schlange: Der deutsche Kurszettel wird auch in diesem Jahr länger und bunter werden.Die Aktie ist im Jahr 1997 endgültig aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht und hat für die private Vermögensbildung enorm an Bedeutung gewonnen.Dazu haben erfolgreiche Neuemissionen wie BHW oder Pro Sieben beigetragen, und nicht zuletzt der im März gestartete Neue Markt, der inzwischen 17 Notierungen zählt. Die Aktienexperten der Commerzbank rechnen damit, daß "insbesondere mittelständische Unternehmen die Vorteile erkennen und einen Gang an die Börse erwägen." Und die DG Bank urteilt, der infolge der Telekom-Emission im November 1996 entstandene Trend zur Aktienkultur in Deutschland sei "nunmehr eine feste Größe geworden".Dazu habe auch die Anstrengung der Emittenten beigetragen, daß die ­ zumeist mehrfach überzeichneten ­ Aktienplazierungen gerecht zwischen den Kleinanlegern und den Institutionellen (Banken, Fonds, Versicherer) verteilt würden. Zum illustren Kreis der Gesellschaften, die bereits in den Startlöchern stehen oder zumindest Börsenpläne für die nächsten zwölf bis fünfzehn Monate hegen, zählen die Postbank, die Lufthansa-Service-Gesellschaft LSG, das Traditionsunternehmen Jenoptik, die Hoechst-Tochter Messer Griesheim, die Musical-Company Stella, Veba-Ableger Stinnes, der Versicherer HDI und der deutsche Fußballmeister FC Bayern München.Auf der langen Liste stehen allerdings keine Debütanten.Deren Plazierungsvolumen rückt auch nur annähernd in die Nähe der Jumbo-Emission der Telekom mit gut 20 Milliarden DM. Dutzende kleiner, innovativer Unternehmen aus der Biotechnologie, der High-Tech oder Software-Sparte werden vom neuen Marktsegment für Wachstumswerte angelockt.Börsenkandidaten wie Utimaco, Teles, Neurotec oder Augusta wollen die Erfolgsgeschichten geglückter Börsenpremieren wie bei Mobilcom, LHS oder Mensch und Maschine nachahmen und ihre Firmenkassen mit ausreichendem Kapital zur weiteren Expansion füllen."Die Nachfrage nach Wertpapieren dieser Art ist vorhanden, das Geld dafür steht bereit", unterstreicht Jörg Lechler von der DG Bank.1998 rechnet das Institut mit 15 bis 18 neuen Notierungen auf dem Kurszettel des Neuen Marktes. Die Zuversicht gründen die Banken auf einen guten 97er Jahrgang mit 25 Premieren ­ 1996 waren es elf.Die größten Börsengänge im Jahre eins nach der Telekom-Emission waren der Finanzdienstleister BHW-Holding im April mit einem Volumen von rund 1,4 Milliarden DM und Anfang Juli das Medienunternehmen Pro Sieben mit rund 1,3 Milliarden DM.Das Emissionsvolumen aller Neulinge erreichte insgesamt 5,4 Milliarden DM.Das ist kein Spitzenwert, knüpft aber an die 8,2 Milliarden DM von 1995 an, als 20 Debütanten das glatte Börsenparkett betraten.Wegen der Einführung der T-Aktie war 1996 mit einer Emissionssumme von 21,4 Milliarden DM ein Ausnahmejahr.Als Star unter den Börsenneulingen 1997 glänzte das Unternehmen Mobilcom, dessen Marktwert sich seit der Erstnotiz im März vervierfachte.Die beiden Softwarefirmen SER Systems sowie Mensch und Maschine erfreuten ihre Aktionäre mit einer Kursverdoppelung in nur fünf Monaten.K + M Möbel, Uzin Utz und Schlott waren mit Kursverlusten zwischen 20 und 30 Prozent die Flops des Jahres 1997.

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