Wirtschaft : Der Ladenschluß hat ausgedient

MARGARITA CHIARI

Blickt einer noch durch? Offiziell gibt es in Deutschland eine Regel namens Ladenschlußgesetz.Doch wer durch die Lande reist, der kann etwas erleben.Hier ein Volksfest, dort ein Kurort oder die Eröffnung eines neuen Einkauf-Zentrums: Möglichkeiten, sich nach Herzenslust an den Wühltischen des Handels auszutoben, bis spät in die Nacht, an Sonnabenden und sonntags, gibt es oft und immer öfter.Die Zeiten, da Anlässe wie der Kongreß der Unfallchirurgen als irrwitzige Begründung für längere Ladenöffnungszeiten herhalten mußten oder trickreiche Händler die Lücken des Gesetzes entdeckten und ihre Mitarbeiter kurzerhand zu leitenden Angestellten beförderten, sind schon fast vorbei.Auch in den Landesregierungen wird die Liste der Politiker immer länger, die sich für weitreichende Lockerungen oder gar die völlige Freigabe der Ladenschlußzeiten aussprechen und dies - siehe Mecklenburg-Vorpommern oder Sachsen - auch durchsetzen.Was soll da noch das Ladenschlußgesetz? Die Wirklichkeit hat es längst überrollt.

Es ist Zeit, das Fossil zu begraben.Die Freiheit läßt sich nicht begrenzen, das haben die ins Kraut schießenden Ausnahmeregelungen und Umgehungstricks nun reichlich gezeigt.Mehr noch: Sie verzerren den Wettbewerb, weil sie einzelne begünstigen, während für andere ein Verkaufsverbot gilt.Auch die Gewerkschaftsvertreter, die wieder einmal das Banner "Arbeitsschutz" hochhalten, sollten einlenken.Zum Schutz der Arbeitnehmer gibt es andere Gesetze.Und als Bollwerk für den Mittelstand gegen die Konkurrenz einer immer mächtigeren Unterhaltungsindustrie taugt der Ladenschluß nun wirklich nicht mehr.

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