Wirtschaft : Der lange Abschied vom Gelben Sack

Maschinen trennen Müll besser, als es Menschen können oder wollen. Der Bund will die neuen Verfahren aber erst noch testen lassen

Miriam Schröder

Berlin - Verbraucher sollen ihren Hausmüll in Zukunft nicht mehr sortieren müssen. Der so genannte Gelbe Sack, in dem Verpackungen gesammelt werden, könne möglicherweise überflüssig werden, da Maschinen die Sortierung übernehmen könnten. Das sagte ein Sprecher des Umweltbundesamtes am Freitag. Zuvor seien aber ausgiebige Tests nötig. Papier und Glas sollen weiter getrennt gesammelt werden.

Politiker forderten am Freitag ein rasches Ende der Mülltrennung. „Der Gelbe Sack steht zur Debatte – wenn nicht heute, dann spätestens morgen“, sagte Sylvia Kotting-Uhl, umweltpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. „Die Haushalte wurden durch die jetzige Mülltrennung lange genug geplagt“, sagte auch die FDP-Umweltexpertin Birgit Homburger. Hightech-Anlagen könnten den Müll schneller, besser und billiger sortieren.

Seit 15 Jahren trennen die Deutschen ihren Müll nach dem Dualen System: Verpackungen – Milchtüten oder Folien mit dem „Grünen Punkt“ – sollen sie in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne werfen. Die Stoffe werden dann recycelt. Der Restmüll kommt in die graue Tonne und wird verbrannt. Allerdings landen nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe bis zu 35 Prozent der Wertstoffe in der Restmüll-Tonne. Die Grünen-Politikerin Kotting-Uhl beklagte zudem, dass der „Grüne Punkt“ nur die Verpackungen erfasst, nicht aber die in einem Produkt enthaltenen Rohstoffe. So könne ein kaputtes Kinderspielzeug Plastik und Metall enthalten, darf aber nicht in den gelben Sack. „Das Duale System verlangt, Rohstoffe, die keine Verpackung sind, in die graue Tonne zu werfen“, kritisierte sie. „Dort sind sie verloren.“

Neue Maschinen, die es zu Beginn des Trennungssystems noch nicht gab, sollen nun den Abfall effizienter trennen. Nach Angaben der Umweltsparte des Stromkonzerns RWE bringe dies eine deutlich höhere Wiederverwertungsquote. In einigen Kommunen hat es dazu schon Testläufe gegeben. Das Umweltbundesamt will die Mülltrennung aber nicht vorschnell stoppen. Zuvor müssten die Testanlagen einem Sprecher zufolge noch den „langfristigen Großversuch“ bestehen. Sollten die Versuche das erhoffte Ergebnis haben, könnte auf längere Sicht die Trennung beendet werden. Ausschlaggebend sei jedoch, ob die neue Form der Trennung wirtschaftliche Vorteile habe.

Eine solche Entwicklung hätte auch Auswirkungen auf den deutschen Müllmarkt: Der Restmüll der Privathaushalte wird bislang von kommunalen Entsorgern eingesammelt, das Duale System ist privat organisiert. Der Bundesverband der Entsorgungswirtschaft fordert, bei der Abschaffung der Mülltrennung, die Entsorgung vollständig zu privatisieren. Die Branche setzt jährlich 37 Milliarden Euro um und beschäftigt 110 000 Mitarbeiter in Deutschland.

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