• Der letzte Vorstandschef von Grundig geht Sämtliche Geschäftsbereiche sollen bis Ende Februar verkauft sein

Wirtschaft : Der letzte Vorstandschef von Grundig geht Sämtliche Geschäftsbereiche sollen bis Ende Februar verkauft sein

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(msh/dpa). Die endgültige Zerschlagung des insolventen Unterhaltungselektronikkonzerns Grundig rückt näher. Vorstandschef Werner Saalfrank werde das Unternehmen Ende Februar verlassen, teilte Grundig am Dienstag mit. „Zu diesem Zeitpunkt werde ich nicht mehr gebraucht. Dann sind auch die übrigen Geschäftsbereiche verkauft“, sagte Saalfrank. Einen Nachfolger werde es nicht mehr geben. Mit dem Verkauf der letzten Geschäftsbereiche werde die Grundig AG aufgelöst.

Grundig hatte Jahre lang vergeblich einen Investor gesucht und musste im April 2003 Insolvenz anmelden. Seitdem verhandeln Insolvenzverwalter Siegfried Beck und Vorstandschef Saalfrank mit potenziellen Käufern der einzelnen GrundigSparten. Allerdings gestaltete sich die Investorensuche schwieriger als erwartet. So konnte Saalfrank erst Ende vergangenen Jahres den Verkauf der Autoradiosparte an den kanadischen Autozulieferer Delphi vermelden. Die Übernahme des Geschäftsbereichs mit rund 1000 Beschäftigten brachte rund 58 Millionen ein. Im Dezember folgte der Verkauf des ehemaligen Werksgeländes in Fürth an einen Nürnberger Vermögensverwalter.

Ungewisse Zukunft für die Mitarbeiter

Inzwischen scheinen die Gespräche über die Bereiche Unterhaltungselektronik, Satelliten und Diktiergeräte aber in die entscheidende Phase zu gehen. Bis Ende Februar seien auch für diese Sparten Investoren gefunden worden, sagte Saalfrank. Als mögliche Investoren gelten die chinesische D’Long- Gruppe, Beko aus der Türkei und der taiwanesische Sampo-Konzern. Sampo hatte Anfang 2003 einen nach den Worten von Saalfrank bereits unterschriftsreifen Kaufvertrag für den Gesamtkonzern in letzter Minute platzen lassen.

Unklar sei noch, wie viele der verbliebenen knapp 1200 Grundig-Arbeitsplätze gerettet werden könnten. In der Sparte Unterhaltungselektronik seien derzeit weltweit rund 1000 Männer und Frauen beschäftigt – rund die Hälfte davon in Deutschland. Die andere Hälfte bestehe zum größten Teil aus den Belegschaften ausländischer Grundig-Vertriebsgesellschaften. Die Diktiergeräte-Sparte in Bayreuth und Fürth beschäftige rund 170 Mitarbeiter, die Satelliten-Sparte rund 100.

Grundig hat in Deutschland Industriegeschichte geschrieben. Firmengründer Max Grundig baute das Unternehmen in der Nachkriegszeit mit Innovationen wie dem Radioempfänger „Heinzelmann“ zu einem internationalen Konzern mit fast 40 000 Mitarbeitern aus. Auf die zunehmende Konkurrenz von asiatischen Firmen wie Sony oder Panasonic in den 70er- und 80er-Jahren hat Grundig aber nie eine passende Antwort gefunden. Mehrere Rettungsversuche des holländischen Philips-Konzerns und der Bayerischen Landesregierung scheiterten.

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