Wirtschaft : Der Malocher Mike Moore wird Chef der internationalen Handelsbehörde

Jan Dirk Herbermann

Eine massige Gestalt. 1,86 Meter. Hellblaue Augen, stechend. Neuseeländer, unüberhörbar. Redet, redet, redet. Das ist Mike Moore. Oder "Mad Mike", wie sie den Ex-Premier in seiner Heimat rufen. Heute wird der 50-Jährige einen Moment innehalten. Dann tritt er als Generaldirektor der Welthandelsorganisation (WTO) seinen Traumjob an. Jahrelang und wie besessen hat er die Spur nach Genf verfolgt, hat hohe Summen in seine Kampagne gesteckt und sich noch nebenbei als Abgeordneter für seinen Wahlkreis stark gemacht. "Okay. Die Amtszeit in Genf sollte vier Jahre betragen. Jetzt haben sie mir ein Jahr geschenkt - wegen guter Führung", witzelt der Mann vom anderen Ende der Welt.

Nach drei Jahren wird Thailands Vizepremier Panitchpakdi Supachai an die Spitze der einflussreichsten internationalen Wirtschaftsorganisation aufrücken. Die 134 WTO-Mitglieder hatten es nicht geschafft, sich auf einen der Rivalen zu einigen. Deshalb nahmen sie beide. Moore und Supachai: hier der Neuseeländer mit der rauhen Schale und dem Charme des Tausendsassas, dort der penible Technokrat. Moore liebt Menschen. Er peitscht sein Publikum auf, lässt es teilhaben an seinem abenteuerlichen Leben. "Diese Gewerkschafter sind Bastarde, ich weiß es, ich war selber einer."

Mit 15 Jahren hat er die Schule verlassen, dann auf dem Bau und im Schlachthaus malocht. Mit 17 Jahren agitiert Moore im Gewerkschaftsrat der neuseeländischen Metropole Auckland. Für die linksgerichtete Labour Party zieht der 23-Jährige ins Parlament - der jüngste Abgeordnete in der Geschichte des Landes. Noch in den Zwanzigern erkrankt Moore an Krebs. Mit eisernem Willen und Energie besiegt er die Krankheit. Dennoch: "Der korpulente Raucher trinkt gern", wie das Munzinger-Archiv schreibt. Acht Bücher stammen aus Moores Feder. Bücher, in denen der überzeugte Freihändler allen protektionistischen Verführungen eine durchdachte Absage erteilt. Schon als Außenhandelsminister, Außenminister, stellvertretender Finanzminister und als neuseeländischer Vertreter bei Verhandlungen zur Liberalisierung der internationalen Warenströme fiel Moore als einer der hartnäckigsten Verfechter offener Grenzen auf. Bisheriger Höhepunkt seiner Karriere: 1990 war er kurze Zeit Premierminister.

Zumal den Amerikanern imponierte, wie Moore sein am Rande des Pazifiks dahindösendes Land auf die Globalisierung einschwor. Heute hat Neuseeland eine der offensten Volkswirtschaften der Welt. Washington honorierte Moores Politik und Überzeugungen mit massiver rhetorischer Hilfe im Kampf um den Chefposten der Genfer Globalisierungsagentur. Ist Moore ein Vasall der Amerikaner? "Nein. Moore hat einen eigenen Kopf, er will seine Ideen durchsetzen", urteilt ein Diplomat. "Ich werde mich intensiv für die Rechte der kleinen und armen Staaten einsetzen", kündigte Moore schon früh an. Und er will mehr Offenheit in der WTO-Zentrale. Die WTO soll besser verkauft werden. Nur so könnten die Globalisierungsgegner in Schach gehalten werden.

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