Wirtschaft : Der Markt gleicht einem Haifischbecken

BERLIN (dr). Der Telekommunikationsmarkt ist seit geraumer Zeit in Bewegung. Die Zeiten, da sich die Newcomer Mobilcom, Talkline, Teldafax und Telepassport Anfang 1998 Marktanteile jenseits der Deutschen Telekom sichern konnten, sind vorbei. Nun wird auch untereinander um solche gestritten - es gibt den Zwang zur Größe.Lange Zeit versuchten die Anbieter, Kunden über die Preise an sich zu ziehen. Im Vergleich zum Jahresbeginn 1998 sind Ferngespräche tagsüber bis zum Juni 1999 um 85 Prozent billiger geworden. Bei Auslandsgesprächen lagen die Preisnachlässe zwischen 47 und 89 Prozent. Und die Rechnung ging zunächst sogar auf. Die Deutschen telefonieren heute 20 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Im Festnetz steigerten die Telekom-Konkurrenten ihren Marktanteile gemessen am gesamten Telefonvolumen im ersten Halbjahr 1999 auf 14 Prozent. Im Kampf um die Preisführerschaft rückte logischerweise immer wieder der Ex-Monopolist Deutsche Telekom ins Bild. Streitpunkt sind bis heute die sogenannten Interconnection-Gebühren, also die Gebühren, die Wettbewerber an die Telekom für die Benutzung der Leitungen zahlen müssen. Erst vor einem Monat hat der Leipziger Newcomer Telepassport dagegen geklagt.Doch schnell mußten die Unternehmen erkennen, daß der Preisstrategie Grenzen gesetzt sind. Der Markt wächst nicht mehr so stark, die Telekom ihrerseits senkte im Januar ihre Ferngesprächspreise um bis zu 50 Prozent. Die Margen wurden für manchen gefährlich klein. Fast gleichlautend erklärten prompt die Chefs von Mannesmann Arcor und von Mobilcom, es werde keine massiven Preissenkungen mehr geben.Nun wird eine neue Strategie eingeschlagen. Man kauft sich gegenseitig, was zwar teuer ist, aber immer noch billiger, als die gewaltigen Investitionen, die notwendig sind, um die Kunden zu erreichen. Mannesmann Arcor übernahm für rund 2,25 Mrd. DM Otelo. Die jetzt verkauften Debitel und Teldafax gaben füreinander Übernahmeangebote ab. Doch auch die ganz Großen schlafen keineswegs. Die Deutsche Telekom verschaffte sich durch ihren zweiten Börsengang eine mit etwa 35 Mrd. DM gut gefüllte Kriegskasse. Siemens hofft auf Milliardenerlöse aus den Börsengängen von Infineon und Epcos und will die Mittel für Akquisitionen in der Telekommunikation nutzen.Und während die kleineren auf dem nationalen Markt kämpfen, orientieren sich die Riesen global. Die Deutsche Telekom hatte dabei in der jüngsten Zeit wenig Glück. Ihr Einstieg bei Telecom Italia mißlang und auch ihr Einstieg bei One 2 One scheint nicht zu klappen. Ähnlich erging es der Swisscom. Zwei inzwischen wieder verkaufte Beteiligungen in Asien brachten Verluste. Jetzt orientieren sich die Schweizer nach Norden.

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