• Der Marktführer will beim Privatkunden sparen, legt Direktbank und Filialgeschäft zusammen - und wirbt mit einer Party um Verständnis

Wirtschaft : Der Marktführer will beim Privatkunden sparen, legt Direktbank und Filialgeschäft zusammen - und wirbt mit einer Party um Verständnis

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Die Deutsche Bank legt das inländisches Filialgeschäft mit ihrer 100prozentigen Tochter, der Direktbank Bank 24, zusammen. Das neue Institut, die Deutsche Bank 24, nimmt am 1. September mit einer Riesenparty die Geschäfte auf. Ein Frühstück für Passanten in Frankfurt, ein Lenkdrachen-Happening in St. Peter-Ording oder nächtliche "Touren im Deutsche Bank 24-Taxi" in Berlin sollen den Kunden den Zusammenschluss schmackhaft machen. Das Ziel: die Verknüpfung eines flächendeckenden Filialnetzes mit den Vorzügen des Direct Bankings, das wenig Service, aber eine schnelle Abwicklung der Aufträge bietet. Das soll mittelfristig die Kosten im aufwendigen Geschäft mit den kleinen Kunden senken: Die Privatkunden der Deutschen Bank müssen zur Bank 24 - ob sie wollen oder nicht.

Die Vorteile für die Kunden der Deutschen Bank: Sie können ihre Bankgeschäfte in Zukunft nicht nur am Bankschalter, über das Internet, T-Online, per Fax oder Brief, sondern auch über das Telefon erledigen. Dazu wird ein Service-Team eigerichtet, das rund um die Uhr und sieben Tage pro Woche zur Verfügung steht. Einfache Transaktionen sollen in Zukunft also von zu Hause aus geregelt werden. Um diesen Service nutzen zu können, muss ein Antrag gestellt werden. Der Kunde erhält dann eine Pin- und Transaktionsnummer, um die Sicherheit zu gewährleisten. Bisherige Leistungen und Vereinbarungen sowie laufende Verträge bei der Deutschen Bank behalten unverändert Gültigkeit, ebenso die Konto- und Depotnummern. Veränderungen gibt es lediglich bei der Bankleitzahl. Das Institut hat sich jedoch dazu verpflichtet, alle Zahlungen - wie Daueraufträge, Überweisungen oder Schecks - auch dann korrekt auszuführen, wenn die alte Bankleitzahl angegeben wird.

Das neu entstandene Institut wird für rund 6,8 Mill. Kunden zuständig sein, davon kommen 440 000 von der Bank 24. Dem stehen 16 300 Mitarbeiter gegenüber. Mittel- bis längerfristig hofft die Bank auf rund zehn Millionen Kunden. Die Neukunden sollen jedoch nicht nur aus eigener Kraft, sondern auch durch Übernahmen gewonnen werden. Die Konstruktion des neuen Geldhauses sieht explizit die Möglichkeit für Dritte vor, "durch Beteiligungen und Kooperationen anzudocken", wie Vorstandssprecher Rolf Breuer sagte. In der vergangenen Woche hatte die Dresdner Bank Gespräche mit der Deutschen Bank über eine Kooperation beim Filialnetz bestätigt.

Abstriche bei der Beratung soll es nicht geben, verspricht die Bank. 1450 Filialen bundesweit (Berlin: 99), 250 Finanz-Center und 400 mobile Finanzberater sollen den Service gewährleisten. Die Deutsche Bank 24 wird sich auf fünf Kerngeschäftsfelder konzentrieren: Bauen und Wohnen, Geld und Service, Planen und Anlegen, Versichern und Vorsorgen sowie Planen und Finanzieren für Geschäftskunden (Selbstständige, Freiberufler und kleinere Unternehmen). Eine besondere Rolle soll die Baufinanzierung spielen: Mit einem Finanzierungsvolumen von 65 Mrd. DM ist die Deutsche Bank nach der HypoVereinsbank der zweitgrößte private Baufinanzierer. In die Deutsche Bank 24 wird auch die Beteiligung an der Deutsche Bank Bauspar AG integriert. Die Ausgliederung des Filialgeschäfts umfasst damit das unmittelbar von der Deutschen Bank AG betriebene Inlandsgeschäft mit Privat- und Geschäftskunden, allerdings ohne die Deutsche Bank Lübeck AG und die Deutsche Bank Saar AG.

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