Wirtschaft : „Der Marktführer wird verprügelt“

Mitarbeiter der Deutschen Bank sind nervös – die Kunden haben viele Fragen

Henrik Mortsiefer

Berlin - „Die Stimmung ist exzellent, wir sind richtig gut drauf.“ Ein Mitglied der Geschäftsführung der Deutschen Bank macht sich Mut. Nein, das sei keine Schauspielerei, beteuert der Manager. Doch je plakativer er die gute Laune bei der größten deutschen Bank hervorhebt, desto lauter werden die Zwischentöne. „Das Thema Ackermann“, räumt der Banker schließlich ein, „lassen wir in den Kundengesprächen zurzeit links liegen.“

Der Name des Chefs sorgt bei den Mitarbeitern für zwiespältige Gefühle. Die hervorragenden Zahlen, das internationale Renommee – all das rechnen sie Ackermann hoch an. Aber in den Filialen ist die Stimmung nicht erst seit dem BGH-Urteil vom Mittwoch angespannt. Ob bei der Beratung von Kleinanlegern oder in der Vermögensplanung – immer mehr Kunden fragen, wie es mit der größten deutschen Bank weitergeht.

Auf der Führungsetage wird diese Frage seit Mittwoch mit dem Namen Josef Ackermann verknüpft. „Es ist nicht auszuschließen, dass er bald zurücktritt“, sagt ein führender Manager des Hauses, „aber es wird eine Deutsche Bank nach Ackermann geben.“ Man rechnet mit einer einsamen Entscheidung . „Er muss sich jetzt fragen, ob er wieder monatelang im Fadenkreuz der Medien stehen will, die jede seiner Bewegungen registrieren“, heißt es.

Noch wirken die jüngsten Schockwellen nach, die die Deutsche Bank jüngst mit der Schließung ihres offenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest auslöste. „Die Kunden kamen mit ihrer Zeitung in die Filiale und in jeder Zeitung stand etwas anderes. Das war schon schwierig“, sagt ein Berater in einer Berliner Filiale. Klar, die Bank stehe als Marktführer mehr in der Öffentlichkeit. „Das ist nun mal so“, sagt der Banker und klingt ein wenig resigniert. „Den Fonds zu schließen, war eine sehr unglückliche Entscheidung“, heißt es eindeutiger in der Geschäftsleitung.

Dort geht man zur Verteidigung über. Die Deutsche Bank erziele zwei Drittel ihrer Einnahmen im Ausland. Sie sei ein globales Finanzhaus geworden, das nicht mehr auf alle Empfindlichkeiten im Heimatmarkt Rücksicht nehmen könne. Auch die Kunden hätten verstanden, dass sich die alte Deutschland AG auflöse. „Der Marktführer muss voranpreschen – und wird zuerst verprügelt“, erklärt das Mitglied der Geschäftsführung die Negativ-Schlagzeilen. „Bank des Jahres“ werde man – wie am Montag bekannt gegeben – nicht ohne Grund. „Dass die Öffentlichkeit bei der Nummer eins immer genauer hinsieht, war schon immer so“, sagt ein leitender Angestellter, der schon vor 30 Jahren dabei war. „So vorsichtig kann die Konzernspitze gar nicht sein.“ Mit dem Gedanken, die Bank habe im Laufe ihrer Globalisierung ihre Seele verloren, mag sich der leitende Banker nicht anfreunden. „An meinem Arbeitsplatz merke ich davon nichts.“ Aber auch auf der Führungsebene räumt man ein, dass das Haus unter einer „gewissen Kopflastigkeit des Investmentbankings“ leide. „Es stimmt schon: Auch der Marktführer braucht ein Profil, das die Leute auf der Straße noch verstehen“, heißt es.

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