Wirtschaft : DER MEDIENSTANDORT MÜNCHEN: Anspruch auf den ersten Platz in Deutschland

THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

Sitz von Kirch und BurdaVON THOMAS MAGENHEIM-HÖRMANN

MÜNCHEN.Ob Print, Funk oder TV, in einem sind sich die Mediengewaltigen der bayerischen Landeshauptstadt einig: München ist der Medienstandort Nummer eins in Deutschland.Als Beleg werden teils beeindruckende Studien und Statistiken ins Feld geführt.Binnen sieben Jahren ist im Großraum München der Umsatz der Medienbranche um fast die Hälfte auf gut 25 Mrd.DM geklettert, bilanzierte Infas.Die Zahl der Medienunternehmen habe um 60 Prozent auf knapp 6700 zugenommen.Die Zahl der Arbeitsplätze habe sich von 1983 bis 1995 auf über 100 000 verdoppelt.Das Schweizer Prognos-Institut hat sogar 115 000 Medienschaffende im Münchner Landkreis gezählt, bei insgesamt 940 000 Erwerbstätigen.Bis 2010 sollen weitere 15 000 Stellen dazukommen. Als Zugpferde dieser Entwicklung gilt das Fernsehen mit Protagonisten wie Pro Sieben und Kabel 1, die Kirch-Gruppe mit DF1 und DSF, RTL 2 oder der Bayerische Rundfunk sowie Deutschlands erster Teleshopping-Kanal Hot.Die Deutsche Telekom plant offenbar ferner, den Zukunftsmarkt Digital-TV von München aus zu steuern.Ein weiterer Renommierbetrieb ist die Bavaria Film, um deren Studios sich viele Filmproduktionsfirmen gruppieren.Auch in traditionellen Sparten ist München gut besetzt.Es gibt fünf Tageszeitungen mit zusammen 1,2 Mill.Auflage; darunter die "Süddeutsche Zeitung" als das größte überregionale Blatt Deutschlands.Im Magazinbereich ragt "Focus" als erfolgreichste Neugründung der letzten Jahre heraus.München ist der Hauptsitz des Burda-Konzerns.Quer durch die Verlagslandschaft werden hier so unterschiedliche Titel produziert wie: "ADAC-Motorwelt", "Die Bunte", "Cosmopolitan", "Freundin", "Natur", "Eltern", "Gong", "Playboy" oder "Bravo".Mancher Straßenzug gilt als Verlagsviertel.In München residieren die Buch-Zentrale des Bertelsmann-Konzerns und viele andere Buchverlage.Die Bertelsmänner sind an der Isar auch musikalisch mit BMG/Ariola aktiv.Dazu kommen in jüngster Zeit über 120 Neugründungen sogenannter Multimedia- Entwicklungsfirmen, die die mutmaßliche Zukunft der Medienbranche verkörpern.Nachholbedarf im Bereich Medien läßt München nur in der Sparte Werbung gelten. Anders als etwa Hamburg sei München auch von der Sogwirkung Berlins verschont geblieben, lautet ein weiteres Argument für die vermeintlich unerschütterliche Vormacht Münchens in Sachen Medien.Dabei "reichen die städischen Mittel bei weitem nicht, um große Unternehmen anzulocken," räumt Münchens Wirtschaftsreferent Reinhard Wieczorek ein.Münchens Magnetwirkung beruhe darauf, daß die Zusammenballung der Medien seit einiger Zeit die kritische Grenze überschritten habe und der Boom nun Eigendynamik entfalte.Dankbarkeit wäre ein anderes Argument für den Medienerfolg Münchens.Denn als Urheber der neuerdings nahezu grenzenlosen Medienrechte gilt vor allem Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber.Einer, der das ausspricht ist Pro Sieben-Chef Georg Kofler."Vor allem die bayerische Medienpolitik hat uns sehr gefördert.Das Land kann einen Treuebonus von der Pro Sieben-Gruppe beanspruchen."

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