Wirtschaft : Der Mittelstand stellt ein

Der Aufschwung legt zu: Jedes fünfte Unternehmen sucht nach Mitarbeitern, melden die Industrie- und Handelskammern

Stefan Kaiser u. Rolf Obertreis

Berlin / Frankfurt am Main - Die Stimmung der deutschen Unternehmen ist so gut wie seit 1991 nicht mehr. Fast jedes zweite Unternehmen (45 Prozent) bewertet seine Geschäftslage als gut. Das belegt eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK). Nur neun Prozent gaben an, die Lage sei schlecht. In den kommenden zwölf Monaten erwarten 30 Prozent der mehr als 25 000 befragten Unternehmen sogar noch bessere Geschäfte (siehe Grafik). Angesichts dieser Ergebnisse erhöhte der DIHK seine Wachstumsprognose 2007 für die deutsche Wirtschaft um die Hälfte von 1,5 auf 2,3 Prozent. 2006 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 2,7 Prozent gewachsen – so stark wie seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr.

Die gute Stimmung soll auch am Arbeitsmarkt spürbar werden. „Im Jahresdurchschnitt rechnen wir mit 500 000 Arbeitslosen weniger“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben am Mittwoch in Berlin. Der Umfrage zufolge will jedes fünfte Unternehmen (21 Prozent) mehr Leute einstellen. Nur 13 Prozent wollen Beschäftigung abbauen. Auch diese Werte sind ein Rekord.

Wansleben sprach von einem Comeback des Wirtschaftsstandortes Deutschland. Bester Ausdruck sei die starke Zunahme bei den geplanten Investitionen im Inland. Bei den Ausrüstungsinvestitionen erwartet der DIHK im laufenden Jahr ein Plus von acht Prozent – das wären 0,7 Prozent mehr als 2006.

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte zum 1. Januar 2007 sei zwar weiter ein Risiko, sagte Wansleben. Die Wachstumsdelle sei aber geringer als noch im Herbst 2006 von den Unternehmen angenommen. „Ohne den Anstieg der Mehrwertsteuerlast hätte sich der Aufschwung aber noch stärker entwickeln können“, sagte Wansleben. Leidtragende seien die verbrauchsbezogenen Branchen wie der Einzelhandel, das Gastgewerbe, aber auch Reinigungen, Reisevermittlungen und Fitnesszentren.

Auch das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin sieht einen Bremseffekt durch die höhere Mehrwertsteuer. In ihrem Konjunkturbarometer sagen die Forscher für das laufende erste Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,4 Prozent voraus – nur noch halb so stark wie im Schlussquartal 2006, als die Wirtschaft noch mit 0,9 Prozent gewachsen war. Im Jahresverlauf werde sich der Aufschwung aber fortsetzen, hieß es. Für das Gesamtjahr hob das DIW seine Prognose von 1,8 auf zwei Prozent an.

Laut DIHK ruhen die Hoffnungen für 2007 vor allem auf dem Außenhandel. Die Exporterwartungen der Unternehmen hätten sich nach einem leichten Rückgang im Herbst wieder zum Besseren gewendet. Die Industrie bleibt laut Umfrage die optimistischste Branche. Sichtlich eingetrübt haben sich die Geschäftserwartungen im Handel, im Gastgewerbe und bei Dienstleistern.

Die gute Laune in der Industrie konnte am Mittwoch auch der Maschinenbauverband VDMA in Frankfurt am Main bezeugen. Verbandspräsident Dieter Brucklacher rechnet nach einem Rekordjahr 2006 für 2007 mit einem weiteren Produktionsplus von vier Prozent und ist auch für 2008 optimistisch. Im vergangenen Jahr erhöhte sich die Produktion in der Branche um real 7,4 Prozent auf 158,4 Milliarden Euro. „Ein so hohes Plus kann selten erreicht werden. Das Wachstum hat uns in seinem Ausmaß überrascht“, sagte Brucklacher. Die Fabriken in Deutschland sind zu fast 92 Prozent praktisch komplett ausgelastet. Bei rund einem Fünftel der Firmen gibt es inzwischen Lieferengpässe. Der Boom hat auch hier positive Auswirkungen auf die Beschäftigung: 2006 wurde das Stammpersonal bei den Maschinenbaufirmen um 20 000 Mitarbeiter aufgestockt. In diesem Jahr könnten laut Brucklacher noch einmal 10 000 neue Stellen dazukommen.

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