Wirtschaft : Der Mittelstand zählt

Kohl fordert neue Kultur der Selbständigkeit FRANKFURT (MAIN) / BERLIN (ro / jojo).Nach Ansicht von Bundeskanzler Helmut Kohl muß der Mittelstand zu einem der entscheidenden Faktoren für die Belebung des Arbeitsmarktes werden."Deshalb ist ein neuer Durchbruch für den Mittelstand zwingend", sagte der Bundeskanzler am Dienstag auf dem ersten Mittelstandskongreß "Fit für die Zukunft" der Deutschen Bank in Frankfurt.Mit Blick auf neue Arbeitsplätze dürfe man sich aber keinen Illusionen hingeben, meinte er vor rund 2400 Mittelständlern aus dem In- und Ausland.Weder von der öffentlichen Hand noch von der Großindustrie erwartet Kohl in den nächsten Jahren wesentliche Impulse für den Arbeitsmarkt. In Berlin trafen sich unterdessen 1000 Unternehmer aus der Region zu den fünften Berlin-Brandenburger Gesprächen der Volksbank.Das Berliner Institut schrieb bei der Veranstaltung in der Deutschen Oper den zweiten Förderpreis für innovative Unternehmer aus.Dabei gibt es dreimal 10 000 DM für innovative Firmen aus Berlin-Brandenburg zu gewinnen.Hauptredner der Veranstaltung war Forschungsminister Jürgen Rüttgers.Bank-Vorstand Misgeld forderte die Unternehmen der Region auf, nicht über niedrige Kosten, sondern durch Innovationen am Markt zu bestehen. Kohl würdigte in Frankfurt den Mittelstand als "Herzstück" der sozialen Marktwirtschaft und als Inbegriff von Fleiß, Leistungsbereitschaft und gesellschaftlicher Verantwortung.Zwei Drittel aller Arbeitsplätze würden von mittelständischen Firmen bereitgestellt, jeder Existenzgründer schaffe im Durchschnitt vier neue Jobs.Allein von 1990 bis 1996 habe der Mittelstand für eine Million neue Arbeitsplätze gesorgt.Den Softwarehersteller SAP nannte Kohl als herausragendes Beispiel dafür, was aus einem Mittelständler werden könne. Kohl lobte zwar den hervorragenden Standort Bundesrepublik, forderte aber auch nachdrückliche Veränderungen.Die Politik müsse für vernünftige Rahmenbedingungen sorgen.Die Steuerreform sei überfällig.Die Tarifpartner mahnte er zu verantwortungsvollem Verhalten.Im Dienstleistungsbereich müssen nach Ansicht des Bundeskanzlers unausgeschöpfte Spielräume für neue Arbeitsplätze genutzt werden.Das sei über Jahre hin vernachlässigt worden. Insgesamt, so Kohl, müsse ein günstiges Umfeld für die Unternehmen geschaffen werden, insbesondere die Voraussetzungen für kleinere und mittlere Firmen müßten verbessert werden."Wir brauchen eine neue Kultur der Selbständigkeit", forderte Kohl und beklagte, daß derzeit rund 40 Prozent der Hochschulabsolventen in den öffentlichen Dienst strebten, aber weniger als 15 Prozent ein eigenes Unternehmen gründen wollten.In diesem Zusammenhang lobte Kohl die Gründung des Deutsche Bank Instituts für Familienunternehmen durch das größte deutsche Geldhaus als Teil der Universität Witten/Herdecke.14 Mill.DM stellt die Deutsche Bank in den nächsten sieben Jahren für drei Lehrstühle zur Verfügung. Kohl appellierte an die Banken und insbesondere an Deutsche Bank-Vorstandssprecher Rolf Breuer, mehr Geld für Existenzgründer bereitzustellen und nicht nur auf Sicherheiten zu achten.Der Kanzler kritisierte, daß hierzulande innovationsfreudige Existenzgründer, die einmal mit ihrem Unternehmen gescheitert seien, keine Chance mehr hätten und als Versager abgestempelt würden.In den USA hätten solche Leute mindestens zwei, wenn nicht sogar drei Chancen.Die deutsche Wirtschaft sieht der Kanzler auf Wachstumskurs.1997 würden mit einem Zuwachs von mehr als 2,5 Prozent die Schätzungen von Konjunkturexperten übertroffen.Für 1998 erwartet Kohl ein Wachstum von bis zu drei Prozent.

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