Wirtschaft : Der Mix macht’s

Altersgemischte Teams bringen Vorteile für alle.

Alt und Jung können ein gutes Team bilden, wenn sie die Chance bekommen.Foto: Fotolia Foto: nyul - Fotolia
Alt und Jung können ein gutes Team bilden, wenn sie die Chance bekommen.Foto: FotoliaFoto: nyul Fotolia

Kollege Krause arbeitet seit 30 Jahren im Unternehmen und kennt es wie seine Westentasche. Azubi Alex ist stets up to date, wenn es um die neueste Firmensoftware oder die Tücken des Intranets geht. Eigentlich würden sich beide prima ergänzen – und doch werkeln Alt und Jung in vielen deutschen Betrieben nebeneinander her, ohne von den Kompetenzen des anderen zu profitieren. Dass es auch anders geht, zeigen Unternehmen, in denen der gezielte Einsatz altersgemischter Teams zur Personalstrategie gehört.

Altersgemischte Teams tragen dazu bei, dass ältere Arbeitnehmer länger in einem Unternehmen bleiben. Das ist das Ergebnis einer vor Kurzem veröffentlichten Untersuchung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim. Andere Maßnahmen wie Weiterbildung hatten der Studie zufolge keinen messbaren Einfluss darauf, wie lange ältere Beschäftigen in ihrem Betrieb bleiben. Das ZEW untersuchte die Wirkung der Maßnahmen mithilfe von Daten des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zu Arbeitnehmern zwischen 40 und 65 Jahren aus dem Jahr 2002. Grundlage waren Angaben aus 1063 westdeutschen Unternehmen, die mindestens fünf ältere Mitarbeiter beschäftigen.

„Von altersgemischten Teams profitieren beide Seiten“, sagt Jan Fries vom ZEW, der an der Untersuchung beteiligt war. „Anders als zum Beispiel Weiterbildung kosteten sie nichts und sind leicht umzusetzen.“ Das bei den Älteren vorhandene Wissen werde an die Jüngeren weitergegeben. Umgekehrt gäben auch die Junioren Anreize an ihre altgedienten Kollegen. „So bekommen alle das Gefühl, zum Unternehmenserfolg beizutragen.“

Die konkrete Umsetzung kann dabei unterschiedlich aussehen – von gemeinsamen Projektteams über Qualitätszirkel, die das Potenzial von Jung und Alt aktivieren sollen, bis hin zu Mentoring-Programmen zwischen erfahrenen und jüngeren Mitarbeitern.

Dass das Prinzip „Altersmischung“ Früchte trägt, haben auch Andreas Hinz und seine Kollegen vom RKW Kompetenzzentrum in Eschborn festgestellt. Dort forscht man zu der Frage, wie sich mittelständische deutsche Unternehmen im internationalen Wettbewerb behaupten können – auch und vor allem angesichts des demografischen Wandels. „Wir haben uns Unternehmen angesehen, in denen es bereits betriebliche Lösungen zum Thema gibt“, berichtet Hinz. Eines davon, die Deutschen Gasrußwerke in Dortmund, wurde Ende vergangenen Jahres für seine altersgemischten und abteilungsübergreifenden Teams sogar von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, der Bundesagentur für Arbeit und der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände ausgezeichnet.

„Teams übernehmen dort umfangreiche und anspruchsvolle planerische Tätigkeiten, in die alle Beschäftigten ihren Fähigkeiten entsprechend eingebunden werden“, sagt Hinz. Außerdem würden ältere Mitarbeiter zum Teil von belastenden Aufgaben befreit und dafür mit neuen betraut. „Gerade in der Industrie mit ihrem hohen Produktionsdruck und dem knapp bemessenen Personal muss man aber aufpassen, dass das nicht zulasten der jüngeren Beschäftigten geht“, gibt der Forscher zu bedenken. Denn sie müssten schließlich noch ein ganzes Erwerbsleben lang durchhalten.

Ist ein Arbeitgeber hier sensibel, kann er von altersgemischten Teams aber eigentlich nur profitieren, so das Fazit des RKW Kompetenzzentrums: In der gemeinsamen Arbeit finde der Wissensfluss zwischen Jung und Alt quasi von selbst statt. Gegenseitige Ausgrenzung werde vermieden, und die Wertschätzung, die gerade ältere Beschäftigte erführen, wirke sich außerdem positiv auf ihre Motivation und Lernbereitschaft aus. sizo/AFP

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