Wirtschaft : Der Mutige gewinnt die Zukunft

Warum Europa der Abstieg droht

Bernd Hops

Die Wirtschaft der USA wächst und wächst, während die Europäische Union mehr oder weniger stagniert. Für den US-Ökonom Lester Thurow ist das nur natürlich. In dem Buch „Zukunft der Weltwirtschaft“ beschreibt er, was eine wachsende Wirtschaft vor allem braucht: Mut und Offenheit für Neues. Beide sieht er in den USA oder auch im aufstrebenden China verkörpert. Europa hingegen ist in Thurows Augen zu ängstlich und rückwärts gewandt – darum droht der Abstieg. Ländern der Dritten Welt wiederum rät Thurow, die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass ihr Mut auch tatsächlich wirtschaftlich genutzt werden kann. Das heißt: Thurow reiht sich in die Reihe derer ein, die eine globale Bildungsoffensive fordern – und dabei auch die Industriestaaten in der Pflicht sehen zu helfen.

Wahrscheinlich ist Thurow etwas zu optimistisch, wenn er die Biotechnologie als absolute Zukunftsbranche mit massenweise Arbeitsplätzen sieht. Aber er hat gute Argumente, dass auch die Gegner weit überziehen. Einleuchtend ist sein Beispiel der Elektrizität: Als sie im vorletzten Jahrhundert entdeckt wurde, machte sich kaum jemand Gedanken über Gefahren. Heute bestimmt elektrischer Strom das Leben der meisten Menschen weltweit – und jeden Tag gibt es dadurch Tote. Letzteres werde ausgeblendet, während die Biotechnologiegegner bei der nächsten Zukunftstechnik jetzt übervorsichtig seien. Durch viele gut ausgewählte Beispiele und Anekdoten hat Thurow seine Thesen auch für eine breite Leserschaft verständlich gemacht.


Dieses Buch bestellen Lester Thurow: Die Zukunft der Weltwirtschaft. Campus, Frankfurt (Main) 2004, 352 Seiten, 24,90 Euro

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