Wirtschaft : Der nächste Versuch

Die Berliner Schreibwarenfirma Herlitz verpasste viele Jugendtrends. Mit Partner Pelikan soll es klappen.

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Berlin - Nach der Übernahme des Berliner Schreibwarenherstellers Herlitz durch den Konkurrenten Pelikan stellt sich das Unternehmen neu auf. Beide Traditionsmarken sollen auch nach dem Zusammenschluss erhalten bleiben, wie der Geschäftsführer der Pelikan Vertriebsgesellschaft Torsten Jahn am Donnerstag am Produktionsstandort in Falkensee mitteilte. Auf dem Firmengelände in der Nähe von Nauen (Brandenburg) stellt das Unternehmen unter anderem Mal- und Schreibblöcke her. „Wir haben nicht vor, in Zukunft die eine oder andere Marke in den Vordergrund zu stellen“, sagte Jahn. Auch alle Standorte des Unternehmens in Hannover und Berlin sollen trotz der Zusammenführung erhalten bleiben. Am Standort in Falkensee sind, Außendienstmitarbeiter eingerechnet, rund 500 Menschen beschäftigt.

So werden also auch in Zukunft Produkte beider Labels nebeneinander in den Regalen von Schreibwarenhändlern, Kaufhäusern und im Internet zu finden sein – wenngleich mit einem kleineren Sortiment. Schließlich gibt es nach der Firmenübernahme in einigen Bereichen Produktüberschneidungen – beispielsweise ist derzeit sowohl ein Herlitz- als auch ein Pelikan-Tintenlöscher auf dem Markt. Allerdings sprechen die beiden Produkte laut Herlitz-Vertriebsleiter Daniel Frankenberg ganz unterschiedliche Verbraucher an: Während der hochpreisige Pelikan-Tintentod ein „Klassiker“ ist und eher von Kunden gekauft wird, die etwas mehr in der Tasche haben, kommt das günstigere Herlitz-Produkt bei weniger liquiden Käufern besser an. Deswegen wird das Unternehmen an beiden Tintenkillern festhalten.

Dagegen müsse man durchaus darüber nachdenken, ob es sinnvoll sei, künftig jeweils einen fast identischen Malblock von Herlitz und Pelikan auf den Markt zu bringen, oder beide Produkte zu einem zu verschmelzen und in bestimmten Segmenten nur noch eine Marke anzubieten. „In welchen Bereichen wir das Sortiment reduzieren, steht aber noch nicht fest“, sagt Pelikan-Geschäftsführer Jahn. Im Vordergrund aller Überlegungen müsse die Frage stehen, wie man auf dem hart umkämpften Schreibwarenmarkt ein „profitables Wachstum“ erzielen könne. „Im Moment ist das schwierig zu erreichen, aber das Potenzial ist da.“ Herlitz war bis zur Firmenübernahme durch Pelikan nicht aus den roten Zahlen herausgekommen.

Laut Jahn ergänzt die farbenfrohe Produktpalette des Berliner Schreibwarenproduzenten vom Buntstift über Füllfederhalter, Mäppchen und Schulranzen das eher traditionelle Sortiment von Pelikan. Der Pelikan-Geschäftsführer hofft, dass Schreibwaren wie die knallig-bunten, futuristisch anmutenden Herlitz-Füller in Zukunft besonders auch auf internationalen Märkten Absatz finden. Zudem will Pelikan künftig von der Dienstleistungsexpertise von Herlitz profitieren. Dort kenne man sich unter anderem im Logistikbereich besonders gut aus, sagt Jahn. So betreibt das Unternehmen beispielsweise am insgesamt 135 000 Quadratmeter großen Standort Falkensee vor den Toren Berlins ein 150 Meter langes und 60 Meter breites Hochregallager, das derzeit nur zur 75 Prozent ausgelastet ist. Zusammen mit einem komplexen Kommissionierungssystem, das das Verschicken von unterschiedlichen, sehr kleinen und sehr großen Waren möglich macht, könnte das besonders für Unternehmen interessant sein, die eine ebenso breite Produktpalette verschicken wollen. „Hier am Standort Falkensee gibt es eine Menge Know-how, das wir auf keinen Fall missen möchten“, sagte Jahn.

Allerdings machte der Pelikan-Geschäftsführer am Donnerstag auch deutlich, dass die Profitabilität des Unternehmens auch an schlankere Strukturen geknüpft ist – und wohl die eine oder andere Stelle gestrichen werden könnte. Denn wegen der Übernahme von Herlitz ist im Unternehmen manche Position gleich zweimal besetzt – einmal in Hannover und einmal in Berlin. Von Doppelbesetzungen seien vor allem die Bereiche Verwaltung, Vertrieb, Logistik und Marketing betroffen. Im April wolle die Geschäftsleitung mit dem Betriebsrat Gespräche über die Zukunft des Personals führen, sagte Jahn. „Was das letzten Endes für den Einzelnen bedeutet, müssen wir mit der Arbeitnehmerseite klären.“ Arbeitsplätze in der Produktion seien aber nicht von Einsparungen betroffen.

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