Wirtschaft : Der Neue an der BMW-Spitze

-

Berlin - Er ist der einzige Bayer im Vorstand des Autobauers BMW. Und auch das war einer der Gründe, warum dem bisherigen Produktionschef Norbert Reithofer gute Chancen eingeräumt worden waren, an die Spitze des Münchener Konzerns aufzurücken. Am Donnerstag berief der Aufsichtsrat des Autoherstellers den 50-jährigen Manager aus dem oberbayerischen Penzberg ganz offiziell zum Nachfolger des bisherigen Vorstandschefs Helmut Panke, entsprechende Gerüchte waren bereits am Vortag durchgesickert. Reithofer soll zum 1. September die Nachfolge Pankes antreten, dessen Vertrag eigentlich erst im Frühjahr 2007 endet. Das soll einen Stillstand im Unternehmen vermeiden, schließlich hat sich BMW für das laufende Jahr einiges vorgenommen. Der Gewinn vor Steuern soll von 3,3 auf vier Milliarden Euro steigen, so haben es die Münchener beschlossen.

Es wird vor allem Reithofers Job sein, dieses Ziel zu erreichen. Der hoch geschätzte Produktionsexperte, der schon seit 20 Jahren bei BMW ist, steht für Kontinuität. Er weiß nicht nur die Eigentümerfamilie Quandt, sondern auch die Gewerkschaften hinter sich. Die bayerische IG Metall hat seine Wahl ausdrücklich begrüßt – als „Gewähr, dass die Erfolgsgeschichte von BMW weitergeht“. Mit einem Strategiewechsel rechnet niemand im Konzern. „Mit dieser Entscheidung hat der Vorstand die Weichen für eine langfristige Führung des Unternehmens gestellt“, unterstrich auch der BMW-Aufsichtsratsvorsitzende Joachim Milberg nach der gestrigen Sitzung. Kaum jemand dürfte den künftigen Vorstandschef so gut kennen wie der frühere BMW-Chef, keiner hat ihn so gefördert.

Reithofer, der zwischen 1974 bis 1983 in München Maschinenbau, Betriebswirtschaft und Fertigungstechnik studierte, hat anschließend bei Milberg promoviert, der damals noch Professor an der TU München war. Im Oktober 1987 fing Reithofer bei BMW an, wo der Neue zunächst für die Instandhaltung verantwortlich war. Danach ging es schnell nach oben. Der als zurückhaltend, ausgeglichen und freundlich beschriebene Manager bewährte sich als Werksleiter in Rosslyn (Südafrika) und Spartanburg (USA) und hinterließ offenbar so nachhaltigen Eindruck in der Zentrale, dass er im Jahr 2000 als Produktionschef in den Vorstand berufen wurde. Unter seiner Führung hat BMW das neue Werk in Leipzig aufgebaut, das mit seiner flexiblen Fertigung sogar asiatischen Konkurrenten Bewunderung abringt. Reithofer muss nichts mehr beweisen. Er muss nur aufpassen, dass es immer so weitergeht. pet

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben