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Der neue Chef der Credit Suisse : Tidjane Thiam ist ein Quereinsteiger

Mit Tidjane Thiam übernimmt erstmals ein Afrikaner die Führung einer Schweizer Großbank. Er kommt aus dem Versicherungssektor - bei einer Bank hat er bislang nicht gearbeitet.

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Tidjane Thiam hat sich als erfolgreicher Prudential-Chef Meriten erworben.
Tidjane Thiam hat sich als erfolgreicher Prudential-Chef Meriten erworben.Foto: Reuters

Ein Bankchef, der nie in einer Bank gearbeitet hat? Das ist ein Novum. Tidjane Thiam war Unternehmensberater bei McKinsey, er war Minister für Planung und Entwicklung in der Elfenbeinküste und Chef des britischen Versicherungskonzerns Prudential. Jetzt wird er Vorstandschef der Credit Suisse, der zweitgrößten Bank der Schweiz. Quereinsteiger Thiam ersetzt Brady Dougan, der Ende Juni nach acht Jahren im Amt zurücktritt.

Zu der Frage, warum Dougan geht, äußerte sich die Credit Suisse am Dienstag nicht. Dougan war einer der wenigen Großbanker, der nach Ausbruch der Finanzkrise nicht ausgetauscht worden war. Im vergangenen Jahr ist er aber dann in die Kritik geraten: Die Credit Suisse hat in den USA eingestanden, Beihilfe zur Steuerflucht geleistet zu haben und dafür 2,8 Milliarden Dollar gezahlt – die höchste Strafe in der Schweizer Bankengeschichte.

Thiam ist der zweite Großbank-Chef mit dunkler Hautfarbe

Dougans Nachfolger Thiam soll jetzt als Branchenfremder frischen Wind in die Bank bringen. Er ist erst der zweite Topmanager mit schwarzer Hautfarbe an der Spitze einer global tätigen Bank (der erste war Stanley O’Neill, der 2002 bis 2007 die Investmentbank Merrill Lynch leitete).

Dougan stand immer wieder in der Kritik von Investoren.
Dougan stand immer wieder in der Kritik von Investoren.Foto: Reuters

Thiam ist in der Elfenbeinküste geboren und in Frankreich aufgewachsen, wo er Physik und Mathe studiert hat. Bei der Weltbank und der Unternehmensberatung McKinsey machte er schnell Karriere – die er in den neunziger Jahren unterbrach, um in die Elfenbeinküste zurückzukehren. Mitten in einer Wirtschaftskrise wurde er dort Minister für Planung und Entwicklung – bis das Militär die Regierung stürzte und ihn mehrere Monate lang festhielt.

Bei dem Versicherer Prudential baute Thiam das Asiengeschäft aus

Nach einem weiteren Zwischenstopp bei McKinsey wechselte Thiam in die Versicherungswirtschaft. Bei dem britischen Versicherer Prudential stieg er zuletzt bis zum Vorstandschef auf und baute für den Konzern das Asiengeschäft aus. Seinen Platz an der Spitze konnte er selbst dann noch behaupten, als ihm eine milliardenschwere Übernahme misslang: Er hatte versucht das Asiengeschäft des US-Versicherers AIG zu übernehmen, wonach Prudential zu einem der weltweit größten Versicherer geworden wäre.


Jetzt soll der 52-Jährige also die Credit Suisse voranbringen. Urs Rohner, Verwaltungsratschef, setzt große Hoffnung in den neuen Chef. Thiam sei „eine führungsstarke und profilierte Persönlichkeit“, lobte er.

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